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Fans und SG feiern „Handball-Fest“

77 Tore in 60 Minuten – das hätte in den großen Zeiten der Wikinghalle für mehr als zwei Spiele gereicht. Kein Wunder, dass die 1100 Zuschauer in der alten „Hölle Nord“ den ersten Auftritt der SG Flensburg-Handewitt nach über sieben Jahren Abstinenz mit stehenden Ovationen quittierten. Das Pokalspiel gegen die TSG Friesenheim hattealle Erwartungen übertroffen, weil die Gäste versuchten, das hohe Tempo des Gastgebers mitzugehen. So stand unter dem Strich ein 45:32 (20:16) für den haushohen Favoriten, der nun bei der Auslosung des Achtelfinals am Sonntag erneut auf ein Heimspiel hofft.
„Es hat riesigen Spaß gemacht“, meinte Jacob Heinl nach dem Schlusspfiff. Der SG-Kreisläufer, der mit dem Junior-Team in der Wikinghalle etliche Spiele vor wenigen hundert Zuschauern bestritten hatte, war begeistert. „Die Halle war voll, die Stimmung toll. Wir können zufrieden sein.“
In der Tat hatte der Auftritt der SG Erinnerungen an alte Zeiten geweckt, als die Wikinghalle mit 2000 Zuschauern aus allen Nähten zu platzen drohte. Die Zuschauer standen zwar nicht mehr so dicht gedrängt wie früher, weil nur noch 1200 Zuschauer hinein dürfen, und beim Einlaufen der SG flogen keine Papierschnipsel mehr. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch. Vom Anpfiff bis zum Schlusspfiff feuerten die „Handewitter“ ihre SG an und klatschten in der zweiten Hälfte, als die Gastgeber unwiderstehlich von 20:16 über 26:19 auf 39:26 davon zogen, Minuten lang Dauerbeifall.
Selbst SG-Trainer Per Carlén war beeindruckt. „45 Tore haben wir noch nie geworfen, seit ich SG-Trainer bin. Wir sollten öfters hier spielen.“
Dass dieses Bundesliga-Duell zu einem „Handball-Fest“ wurde, war aber auch den Akteuren auf dem Parkett zu verdanken. Die SG sprühte förmlich vor Spielfreude, die überforderten Gäste versuchten, „so lange wie möglich mitzuhalten“, wie es TSG-Trainer Thomas König formulierte. Das war aber nur in den ersten 30 Minuten der Fall, danach war die SG nicht mehr zu stoppen, obwohl Trainer Per Carlén nach 46 Minuten bis auf Anders Eggert und Torhüter Sören Rasmussen das komplette Personal austauschte. „Nicht nur wir, auch die Zuschauer hatten Spaß am Spiel“, meinte Viktor Szilagyi, der auf halblinks ebenso eine überzeugende Partie geboten hatte wie auf der anderen Seite Tamás Mocsai, der über 60 Minuten lang den angeschlagenen Oscar Carlén vertrat. „Ich bin sehr zufrieden“, lobte der SG-Coach seine Mannen. „Viktor und Tamás haben ihre Sache super gemacht. Aber die gesamte Mannschaft hatte eine sehr gute Einstellung, und die letzten 14 Minuten haben gezeigt, dass wir sehr gute Alternativen haben. Auch Lasse Boesen und Petar Djordjic haben Zeichen gesetzt.“
Als einziger kam lediglich Beutler-Ersatz Stefan Hampel nicht zum Einsatz. „Das hatte psychologische Gründe“, erklärte Carlén. „Ich wollte Sören ein gutes Gefühl geben.“ Zufrieden war auch Ljubomir Vranjes, dass die Partie in Handewitt stattgefunden hatte. „Das war echt toll, die Mannschaft hat viel Spielfreude gezeigt. Und auf dem Weg zum Final Four haben wir einen weiteren Schritt getan.“