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Flensburg locker in Sarajevo

Ach ja, Anders Eggert sollte auch noch etwas sagen. Die Verantwortlichen der SG Flensburg-Handewitt hatten den humorvollen Linksaußen nach dem 35:23 (18:9)-Erfolg beim RK Bosna Sarajevo mit zur Pressekonferenz genommen. Sein Kommentar fiel aber unerwartet kurz aus. „Wir haben 60 Minuten lang gut gespielt", sagte der Däne. Mehr nicht. „Und das muss ich nun auch noch übersetzen", schmunzelte Ljubomir Vranjes, Team-Manager und Dolmetscher in Personalunion.
Die knappen Worte von Anders Eggert trafen den Nagel aber auf den Kopf. Nicht umsonst strahlte Per Carlén wie ein Honigkuchenpferd. „Ich bin mit allem sehr zufrieden", sagte der SG-Trainer. Es waren nicht nur die gewohnten Trümpfe, also Abwehr, Torwart und Gegenstoß, die stachen, sondern auch der Angriff, der diesmal zahlreiche gefährliche Fassetten aufbot. Schon im ersten Durchgang war Jacob Heinl ein steter Unruheherd am Kreis, und fanden Thomas Mogensen sowie Viktor Szilagyi über den Rückraum die Lücken in der offensiven Defensive des bosnischen Meisters. Und auf der Spitze der Effizienz thronte nach 60 Minuten Lasse Svan Hansen. Der Rechtsaußen machte aus zwölf Versuchen zehn Tore, wurde beim elften Mal nur auf Kosten eines Siebenmeters gestoppt.
Kurzum: Der heiße Tanz, den Per Carlén im Vorfeld erwartet hatte, war ausgeblieben. Die bestenfalls halbgefüllte Spielstätte „KSC Skenderija " erinnerte nur in einer Phase an einen Hexenkessel. Das war kurz nach der Pause, als Sarajevo binnen Kürze vier Tore in Folge zum 14:20 erzielt hatte. „Da konnte man erahnen", sagte Ljubomir Vranjes, „was in dieser Halle möglich ist, wenn ein Spiel eng zugeht". Am Sonnabend war das aber nicht der Fall. Nach einem Strohfeuer erlahmte die Energie der Gastgeber wieder. „Wir haben heute sehr schlecht gespielt und sind nie an die von uns gegen Zagreb gezeigte Leistung herangekommen", rätselte Coach Irfan Smajlagic. „Wir müssen uns bei unseren Zuschauern und Sponsoren entschuldigen", ergänzte Kapitän Petar Kapisoda.
Per Carlén nutzte die Gunst der Stunde und wechselte munter durch. Am Ende stand auf dem Spielfeld eine nie dagewesene Aufstellung. Tamás Mocsai und Viktor Szilagyi bildeten den Abwehr-Mittelblock, Patrik Fahlgren besetzte die Kreisläufer-Position, und Lasse Boesen griff als Mittelmann zusammen mit Petar Djordjic an. „In erster Linie sollten alle ihre Spielanteile erhalten", verriet Ljubomir Vranjes. „Aber vielleicht waren da auch ein paar gute Kombinationen für die Zukunft dabei."
Unter dem Strich hat die SG in Sarajevo einen wichtigen Schritt gen Achtelfinale gemacht, aber auch ein Ausrufezeichen im Kampf um den zweiten Platz in der Gruppe D gesetzt. Der vermeintliche Kontrahent Zagreb hatte vor Wochenfrist an gleicher Stätte nur ein Remis erreicht. „Da hatte Sarajevo aber auch wesentlich besser gespielt", mochte Ljubomir Vranjes keinen Quervergleich anstellen. Das direkte Duell gegen Zagreb am 21. November in der Campushalle wird mehr über die wahren Kräfteverhältnisse verraten.