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SG-Sieg dank starker Abwehr und Oscar Carlén

Die Startbilanz der SG Flensburg-Handewitt bleibt makellos. Allerdings machte sich die Mannschaft von Trainer Per Carlén den 27:24 (13:12)-Sieg  gegen die Füchse Berlin unnötig schwer.
So recht traut sich die SG Flensburg-Handewitt selbst noch nicht über den Weg. Nach dem  hart erkämpften 27:24 (13:12) gegen die Füchse Berlin überwogen selbstkritische Stimmen den Jubel über den dritten Erfolg in Serie. Aufgewühlt und schweißgebadet stand Trainer Per Carlén nach Spielende im Kabinengang, gezeichnet von stressigen 60 Minuten. „Dan Beutler hält in der ersten Halbzeit 13 oder 14 Bälle, und wir liegen nur ein Tor vorn – das geht gar nicht“, sagte  Carlén nachdenklich.

Torsten Laen gegen Dan Beutler: Abwehr beginnt im gegnerischen Tor.

Noch bei Halbzeit war der Chefcoach in den Katakomben der Campushalle in einen lautstarken Wortwechsel mit Teammanager Ljubomir Vranjes verwickelt. Ob dieser einem Disput über taktische Dinge entsprang oder nur der Erregung darüber, dass die Partie nicht längst im Sack war, wurde von den Protagonisten nicht aufgeklärt. Die Anspannung bei der SG war erst mit dem  verwandelten Siebenmeter von Anders Eggert zum 26:22 in der 57. Minute gewichen, Carlén ging die Bank entlang und klatschte alle dort zum Zeichen des Sieges ab – auch Vranjes.
Die Gastgeber waren schwungvoll gestartet und lagen nach einer Viertelstunde mit 7:3 vorn. Dann begann eine Schwächephase. Mit Bartlomiej Jaszka in Rückraummitte wurden die Füchse deutlich gefährlicher. Und den Flensburger Angreifern standen nun insbesondere Torsten Laen und Stian Vatne im Weg. Die beiden Riesen im Berliner Mittelblock deckten Kreisläufer Michael Knudsen zu und blockten etliche Würfe. „Wenn eine defensive 6:0-Deckung so kompakt steht, haben wir große Probleme“, meinte Per Carlén. „Es muss sich viel ändern in unserem Angriffsspiel, wenn wir auch gegen Kiel, Hamburg und die Rhein-Neckar Löwen bestehen wollen“, meinte der SG-Trainer.
Nicht nur Knudsen war schwer zu finden, auch die Flügel der SG waren lahm. Lars Christiansen und später Anders Eggert bekamen wie schon in den Spielen zuvor kaum einen Ball. Rechts bemühte sich Oscar Carlén immerhin, Lasse Svan Hansen miteinzubeziehen. „Der Ball muss schneller laufen, nur dann reißen wir auch Lücken am Kreis für Knudsen“, befand der achtfache Torschütze Carlén nach seiner Energieleistung über die volle Distanz. Alexander Petersson blieb diesmal draußen. „Oscar hatte ein gute Wurfquote. Die brauchten wir heute“, begründete Per Carlén den Verzicht auf den isländischen Linkshänder. Tatsächlich hielt die Führung der SG in der zweiten Hälfte des ersten Durchgangs vor allem dank Carlén und Beutler, der vor der Pause drei Siebenmeter und elf weitere Bälle parierte.

Nach dem Schlusspfiff herrschte Erleichterung.

Zeitweise zeigte auch der neue Spielmacher Patrik Fahlgren gute Ansätze. Der 24 Jahre alte Schwede durfte erstmals über weite Strecken den an  Rückenbeschwerden laborierenden Thomas Mogensen vertreten. „Er hat es gut gemacht, einige gute Lösungen gefunden“, befand Carlén. „Patrick muss aber in Zukunft noch mehr aufs Tor gehen.“
In der hektischen zweiten Hälfte blieb das Handballspielen auf der Strecke. Es ging nur um die besseren Nerven, den größeren Kampfgeist und die bessere Disziplin. Am Ende punktete die SG in allen Fächern. Für Manager Holger Kaiser war es „wichtig, die beiden ersten Siege zu bestätigen. Das haben wir heute in einem Kampfspiel getan und ein sensibles Spiel nach Hause gebracht. Es war wieder zu sehen, dass hier etwas zusammenwächst.“ Jedoch fehle der SG noch die Ausstrahlung eines Spitzenteams, das einem Spiel seinen Stempel aufdrückt. „Die Mannschaft passt sich immer noch zu sehr dem Niveau der Gegner an“, sagte Kaiser, der hierin aber auch eine hoffnungsfrohe Perspektive fand: „Dies wird sie dann auch gegen Hamburg und  andere Topmannschaften tun und sich steigern.“
Verlass ist weiter auf die Abwehr der SG, die das interne Ziel, die Gegentorquote auf durchschnittlich 25 zu begrenzen, bisher voll erfüllt. Nicht zuletzt dank Jacob Heinl, der im Abwehrzentrum wieder zu den Besten gehörte. Unter der Woche durfte das Talent erstmals in die Nationalmannschaft hineinschnuppern. „Ein traumhaftes Erlebnis, eine gute Atmosphäre im Team. Es hat super viel Spaß gemacht“, berichtete der 21-Jährige Kreisläufer vom DHB-Lehrgang.