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Kollaps des Kollektivs gegen freche Polen

Wenn doch alles so einfach wäre im Handball. Jerzy Szafraniec erläuterte seinen Plan, als rede er von etwas ganz Selbstverständlichem: "Wir haben die ersten beiden Spiele verloren, deshalb fand eine intensive Vorbereitung auf das Spiel in Flensburg statt, um hier die Punkte zu holen", erklärte der Trainer von Zaglebie Lubin, " es war uns sehr wichtig, die Niederlage gegen Ciudad Real wettzumachen und zu zeigen, dass auch unbekannte Mannschaften Flensburg schlagen können." Ach so.

Jan Holpert setzte ein Signal.

Nach einer Viertelstunde standen die Zeichen noch auf Grün: Sieben Tore gegen die ruppige Abwehr der Polen, nur vier Gegentreffer. Die Deckung schien gut eingestellt auf Lubins schnellen Mittelmann Bartlomiej Jaszka, den wurfstarken Halblinken Michal Kubisztal. Der subjektive Eindruck mag täuschen, doch die Statistik sagt, dass der Torhütervergleich über die gesamte Partie an die Flensburger ging. Dane Sijan hielt 35 Prozent aller Würfe, darunter drei Siebenmeter, sein Gegenüber Michal Swirkula kam auf 33 Prozent. Es sah nach einem entspannten Abend aus.
Dann entfaltete sich die Dramaturgie des Desasters. Das Comeback von Blazenko Lackovic missglückte, was ihm nach achtmonatiger Leidensgeschichte kaum anzulasten ist. Der Kroate rackerte, aber ihm fehlten Timing, Sprung- und Wurfkraft. "Es ist schwer, aber ich komme wieder", versprach der 26-Jährige. Es wäre an seinen Kameraden gewesen, dem Torjäger die Rückkehr zu erleichtern. Doch Zug um Zug baute der Angriff ab, fahrlässig wurden die Chancen vergeben. "Erst haben sie nicht richtig gewollt und dann war es plötzlich zu spät", sagte Manager Fynn Holpert, der seinen Bruder Jan bedauerte, der sich nach der Verletzung von Dan Beutler in den Dienst der SG gestellt habe. Der Altmeister sorgte beim Stand von 20:24 (45.) für einen Schub, der sich jedoch in der Konfusion und Verzweiflung der Schlussminuten versendete. "Es ist nichts verloren. wir können gegen Drammen und in Lubin gewinnen, sogar in Ciudad Real", sagte Fynn Holpert. "Es ist wirtschaftlich wichtig im Wettbewerb zu bleiben. Das muss sich die Mannschaft vor Augen führen."

Jercy Szafraniec triumphierte.

Szafraniec hatte seinen Spaß daran, den 33:32 (14:15)-Sieg über den deutschen Favoriten wie etwas Alltägliches zu behandeln. Tatsächlich hatte ihn der furiose Auftritt seiner Champions-League-Debütanten ziemlich mitgenommen, wie er heiser verriet. "Es war so mitreißend. Ich habe das Spiel gewonnen, aber die Stimme verloren."
Viel schmerzlicher war der Verlust der Gastgeber, die mit ramponiertem Ego davonschlichen, begleitet von Pfiffen aus den Reihen der 6000 Fans. "Wir haben diese Mannschaft unterschätzt, dafür sind wir hart bestraft worden", gab Marcin Lijewski zu. Den "Kollaps des Kollektivs" diagnostizierte Trainer Kent-Harry Andersson. "Keiner hat eine richtige Leistung gezeigt, Wir müssen uns schämen."
Vor allem das Versagen des Angriffs brachte die SG um eine angenehme Zeit bis zum Spiel bei den Füchsen in Berlin am kommenden Mittwoch. "Jetzt laufen wir die nächsten Tage mit diesen Gedanken herum - das ist nicht schön", sagte Lars Christiansen, der passabel spielte, sich mit einem verworfenen Siebenmeter beim Stand von 27:29 (55.) jedoch auch in die Serie unglaublicher Fehlleistungen einreihte. Da hätte die SG das Spiel biegen können, aber die nun etwas schwächelnden Polen wurden prompt wieder aufgebaut. Haarsträubende Fehler von Vranjes, Fehlwürfe von Johannsen, Nielsen und Petersson aus freier Position und ein weiterer gescheiterter Strafwurf von Eggert geleiteten Lubin zum Sieg. "Wir haben es ja schon mehrmals probiert, gegen schwächere Mannschaften zu verlieren", sagte Christiansen sarkastisch, "ich hatte gehofft, dass wir aus solchen Fehlern gelernt haben. Sechs Minuten vor Schluss fangen wir an zu kämpfen. Das kann nicht wahr sein."