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Konrad Wilczynski: Ein Österreicher im „Fuchsbau“

Nikola Karabatic, der Franzose, der vor Kurzem zum „Handballer des Jahres 2007“ gekürt wurde, auf Platz eins der Torschützenliste – das ist sicherlich keine Überraschung. Gleich dahinter rangiert allerdings ein Name, mit dem die Handball-Experten noch nicht so viel anfangen können: Konrad Wilczynski, der Linksaußen des Aufsteigers Füchse Berlin. Der 26-jährige Nationalspieler gehört zu den großen Hoffnungen der österreichischen Auswahl, die im Jahr 2010 Gastgeber der Europameisterschaft sein wird. Seine Mission beim Klub aus der Bundeshauptstadt ist da schon ein wenig leichter: Er soll mit seinen Treffern die Füchse in der Bundesliga halten.
Der Zufall stand Pate, dass Konrad Wilczynski den Weg in die Bundesliga fand. Im November 2005 spielte der SC Magdeburg in der Champions League beim österreichischen Meister HB Bregenz und verlor sensationell mit 31:32. Überragender Akteur: Konrad Wilczynski, der nicht weniger als zwölf Treffer erzielte. „Damals war Bob Hanning Augenzeuge“, berichtet der Linksaußen. „Offenbar habe ich an jenem Tag so gut gespielt, dass er mir schon Tage später ein Angebot unterbreitete.“ Der Berliner Manager feilte damals an einem Füchse-Team, das den Bundesliga-Aufstieg verwirklichen sollte. In der Serie 2006/7 gehörte Konrad Wilczynski zum „Fuchsbau“, vor einem Jahr feierte er die Zweitliga-Meisterschaft. Der österreichische Goalgetter war zugleich Vierter der Zweitliga-Torschützenliste.

Konrad Wilczynski

Konrad Wilczynski stammt aus Wien, debütierte für den Klub West Wien in der österreichischen Liga. 2002 schloss er sich HB Bregenz, dem führenden Klub im Alpenland, an. Mit den Mannen vom Bodensee gewann er 2004, 2005 und 2006 die österreichische Meisterschaft sowie 2003 und 2006 den österreichischen Pokal. „Es war immer mein Traum in die Bundesliga zu wechseln“, verrät der 1,80 Meter große Außen. „Die österreichische Liga hat noch kein internationales Niveau.“
Nun wirkt für den 26-Jährigen alles wie ein Handball-Traum. Die Berliner entfernten sich zuletzt mit Sieben-Meilen-Stiefeln aus der unmittelbaren Abstiegszone und lösten zugleich einen Zuschauer-Boom aus. Zum Ostderby gegen Magdeburg kamen nicht weniger als 9500 Zuschauer. „Das war doch vor zwei Jahren undenkbar“, strahlt Konrad Wilczynski. „Schon Wahnsinn, wie schnell und rasant sich die Dinge entwickelt haben.“
Zuletzt offenbarte er ein verblüffendes Talent. Der Österreicher saß im Presseraum der Max-Schmeling-Halle und übersetzte mühelos die Antrittsreden der polnischen Rückraumzugänge Michal Kubisztal und Bartlomiej Jaszka, die im Dezember ihr Debüt bei den Füchsen gegeben hatten. „Ich helfe gern bei Problemen“, sagte Konrad Wilczynski, dessen Eltern in Polen aufgewachsen, aber vor 30 Jahren nach Wien ausgewandert sind.
Für seine Handball-Karriere wäre es vielleicht förderlich gewesen, wenn seine Eltern im Land des Vize-Weltmeisters geblieben wären. Mit der österreichischen Staatsbürgerschaft blickt der 26-Jährige nun einem besonderen Abenteuer entgegen. 2010 ist das im Handball unbedeutende Österreich Gastgeber der Europameisterschaft. Manch Spötter hat den letzten Platz schon für Österreich gesetzt. „Wir haben durchaus ein paar gute Einzelspieler, aus denen sich eine brauchbare Mannschaft formen lässt“, wirft Konrad Wilczynski die Flinte noch nicht ins Korn. „Mit ein wenig Euphorie könnten wir die Vorrunde überstehen.“