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Champions League: Denkwürdige Reise, denkwürdiges Spiel, denkwürdiger Sieg

Ende gut alles gut. Vor der imposanten Kulisse im Dom Sportova schlug die SG Flensburg-Handewitt den RK Zagreb mit 23:21 (13:11). Damit gibt es keine Zweifel mehr am Einzug ins Achtelfinale der Champions League, wo die SG Anfang Dezember als Gruppenerster auf einen der acht Zweiten treffen wird und erst in der zweiten Partie Heimrecht genießt. Das nächste Auswärtsspiel bei Medwedi Tschechow (Samstag, 14.15 Uhr) ist für die Sigurdsson-Truppe hingegen bedeutungslos. „Wir sind in den entscheidenden Phasen ruhig geblieben“, war SG-Manager Thorsten Storm stolz auf sein Team. „Es stimmt einfach in der Mannschaft.“
Die Hinreise am Samstag erinnerte an einen „Katastrophen-Film“. Gerade war die Maschine in Hamburg gestartet, gab es eine kleine Rauchentwicklung im Innenraum des Fliegers. Die Piloten entschieden sich aus Sicherheitsgründen für eine Notlandung in Hannover. Der SG-Tross feierte dort erst einmal „Geburtstag“. Statt um 16 Uhr traf die SG so erst kurz vor Mitternacht in Zagreb ein, die geplante Trainings-Einheit im Dom Sportova musste ausfallen.
Im vermeintlichen „Hexenkessel“ zeigten die SG dann aber zunächst weder zittrige Knie noch müde Beine. Vom Start weg diktierten die Gäste das Geschen. Die offensive 3:2:1-Abwehr der Zagreber flößte keinen Schrecken ein, zumal „Kult-Keeper“ Vlado Sola wegen einer Schulterverletzung passen musste. Gleich markierte Blazenko Lackovic, der mit sonnigem Applaus empfangen wurde, das 1:0. Überzeugend agierte einmal mehr die 6:0-Deckung und Keeper Dan Beutler, der schon in der Anfangsphase einen Strafwurf gegen Mirzad Tersic parierte.
Nach dem 5:9 (13.) geriet der Spielfluss der SG allmählich ins Stocken. Der eingewechselte Vjenceslav Somic, sonst nur Keeper Nummer drei, parierte die ersten Bälle. Zagreb kämpfte nun um jeden Ball. Eine harte Gangart, die wie schon im Dezember Michael Knudsen traf. Er schied mit einer Gesichtsverletzung aus. Der bestechend auftrumpfende Marcin Lijewski löste mit dem 10:6 (20.) dann aber die kurzfristige „Blockade“. Joachim Boldsen erhöhte wenig später sogar auf 13:8. „Man konnte nicht erwarten, dass man in Zagreb glatt durchgeht“, sagte der Schütze. „Ein bis zwei Schiedsrichter-Entscheidungen oder Unterzahl – und es wird wieder spannend.“
Bis zur Pause sammelten sich dann allerdings erste „Negativ-Faktoren“ an. Die Kroaten verkürzten, und die Hand von Torge Johannsen landete im Gesicht von Domagoj Duvnjak. Rote Karte! „Wenn man die gibt“, meinte Thorsten Storm, „hätte man auch zwei auf der anderen Seite geben können.“ Im zweiten Durchgang wurde die SG in ihren Aktionen immer zerfahrener, während Domagoj Duvnjak nun immer mehr auftrumpfte. Per Siebenmeter erzielte das 18-jährige kroatische Mega-Talent das 14:13, als Damien Kabengele das 21:19 markierte, konnte die zweite Pflichtspiel-Niederlage dieser Saison nicht mehr ausgeschlossen werden.
Viggo Sigurdsson wechselte die Torhüter. Der richtige Riecher: Jan Holpert wehrte alles ab, erwischte zehn Traum-Minuten ohne Gegentreffer. Seine Vorderleute machten es aber spannend. Anders Eggert und Lars Christiansen versiebten Strafwürfe. Dann war es Marcin Lijewski, der 80 Sekunden vor Schluss mit dem Endstand den SG-Tross erlöste. „Wir haben unser Ziel erreicht“, atmete Viggo Sigurdsson nun durch. „Wir haben in Zagreb gepunktet.“

Michael Knudsen erlitt eine Risswunde unter dem Auge.

 

RK Zagreb – SG Flensburg-Handewitt  21:23 (11:13)
RK Zagreb: Somic (ab 10.), Uvodic – Kaleb, Kabengele (2), Duvnjak (9/3), Lelic (2), Toskic, Golic (1), Anusic (1), Kapisoda, Horvat (1), Terzic (3), Jurca (2)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler, Holpert (ab 50.) – Lackovic (2), Eggert, Jensen, Christiansen (7/3), Vranjes (3), Johannsen (1), Lijewski (7), Boldsen (2), Lauritzen, Knudsen (1)
Schiedsrichter: Vakula/ Liudovyk (Ukraine); Zeitstrafen: 10:12 Minuten (Anusic 4, Kaleb 2, Kapisoda 2, Terzic 2 – Lauritzen 4, Lackovic 4, Jensen 2, Johannsen 2); Rote Karte: Johannsen (30., Foulspiel); Siebenmeter: 6/3:5/3 (Terzic und Lelic scheitern an Beutler, Duvnjak verwirft gegen Holpert – Christiansen und Eggert scheitern an Somic); Zuschauer: 7500
Spielfilm: 0:2 (3.), 2:2 (6.), 2:4 (7.), 4:7 (10.), 5:9 (13.), 6:10 (20.), 8:13 (28.) – 14:13 (38.), 14:16 (41.), 16:16 (43.), 19:17 (47.), 21:19 (50.), 21:22 (55.)

 

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