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Spanische Liga: Die neue Erfahrung des Alexander Buchmanns

Einmal durch Europa mit dem Handball – diese Losung scheint für Alexander Buchmann zur Lebens-Philosophie zu werden. Der Norweger stand schon zwei Mal bei der SG Flensburg-Handewitt (1999/2000, 2003/2004) unter Vertrag, erlebte eine Stippvisite im dänischen Aarhus und spielte in Paris für US Ivry. Im Sommer 2005 landete der 24-Jährige im spanischen Altea. Sieben Angebote aus verschiedenen Ländern lagen auf dem Tisch, ihn zog es aber an die Mittelmeer-Küste. „Der Handball“, betont Alexander Buchmann, „gibt mir die Möglichkeit, in Europa herumzukommen – das nutze ich gerne.“

Alexander Buchmann mauserte sich inzwischen zum norwegischen Nationalspieler.

Abstiegssorgen beherrschten in den letzten Monaten die Ereignisse in Altea. Der Klub wird zwar von der Stadt gefördert, verlor in den letzten Jahren aber so starke Akteure wie die Dänen Lars Jörgensen und Klaus M. Jakobsen. San Antonio und Ciudad Real entfalteten eine zu große Sogkraft. Das Los der „Kleinen“. Andere Vereine der Liga Asobal hat es nicht weniger schlimm getroffen. Cangas qualifizierte sich in dieser Serie noch für den Europapokal, verlor aber Antonio Ugalde und Alen Muratovic an Valladolid. Nun droht der Abstieg.
Die „Großen“ – das ist im spanischen Handball im Grunde nur ein Trio. Ciudad Real und San Antonio haben gro0e finanzielle Möglichkeiten im Rücken, der FC Barcelona die größte Tradition. „Wer dort spielt, hat innerhalb von zwei oder drei Jahren eine Titel-Garantie“, weiß Alexander Buchmann. Ademar Leon brach in den letzten Jahren immer mal wieder in diese Phalanx ein, liegt im Moment aber deutlich hinter der „Spitzen-Troika“. Und im Sommer zieht es auch noch Kristian Kjelling nach Pamplona. Ob in Zukunft ein anderer Klub nach oben kommt? Aragon hat zumindest diese Ziele, lotste Hussein Zaky und Mariano Ortega nach Saragossa und möchte eine Halle mit 11000 Zuschauern füllen.
Insgesamt kommen nicht so viele Zuschauer wie in der Bundesliga in die Arenen. Leon und Ciudad Real sind mit rund 4000 Besuchern die „Magneten“, in Altea zählt man im Schnitt nur 800 Fans. Das Schlusslicht! Die Liga Asobal fristet hinter Basketball und „König“ Fußball ein Schattendasein. Dennoch existiert ein beachtliches Interesse am „Ballanmano“ (Handball), und die Zentral-Vermarktung als „Liga Allianz Asobal“ ist schon weiter als in der Bundesrepublik. Durchschnittlich zwei Partien pro Spieltag laufen im TV. Selbst Fernseh-Sender in Schweden, Dänemark und in Dubai sind schon auf den „spanischen Zug“ aufgesprungen.

Ivano Balic gehört zu den großen Individualisten in Spanien.

Alexander Buchmann registriert von diesen großen Entwicklungen an der Costa Blanca nur wenig. Er bleibt wahrscheinlich in der Nähe von Alicante, zieht wohl die Option, die an den ein Ein-Jahres-Vertrag anschließt. „Für das nächste Jahr hat Altea wohl eine spannende Mannschaft beisammen“, glaubt der Norweger. Die Klub-Führung steht mit aussichtsreichen Kandidaten in Verhandlungen, plant eine weitere Professionalisierung. Noch ist rund die Hälfte der Akteure nur Halb-Profi.
Im Moment ist Alexander Buchmann selbst zum Zuschauen gezwungen. Er erlitt einen Mittelhandbruch bei der Europameisterschaft. Der Gips kam Anfang März für eine Partie runter, in der der Norweger seine Farben zu einem wichtigen 34:28-Erfolg gegen Granollers führte. Dann wurde die Hand dick und verschwand erneut in einem Verband.
Die Spielweise in Spanien beschreibt der 24-Jährige als sehr individuell. System oder gar Kollektiv sind eher ein Fremdwort. „Für einen Trainer wie Kent-Harry Andersson“, wagt Alexander Buchmann zu prophezeien, „wäre die spanische Liga nichts. Er ist ein viel zu guter Taktiker.“ Spanien sei das „Paradies“ für Individualisten. Der Skandinavier selbst sieht den Aufenthalt auf der iberischen Halbinsel als Erfahrung, bevorzugt aber die Handball-Philosophie in Deutschland oder Skandinavien. „Manchmal denke ich, dass ist die absolute Anarchie“, berichtet Alexander Buchmann. „Als Spielmacher sagst du etwas an und die fünf anderen machen, was sie wollen.“ Sein Tipp für das Halbfinale kommt daher wohl vom Handball-Herzen. „Für Ciudad Real ist es noch eine Herausforderung, als geschlossene Mannschaft aufzutreten“, sagt Buchmann. „Ich würde mein Geld auf die SG setzen.“