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Bundesliga: Großwallstadt weiterhin kein „gutes Pflaster“

Ratlosigkeit auf der SG-Bank.

Die SG Flensburg-Handewitt hat es erwischt. Im dritten Bundesliga-Spiel der Saison verlor sie ihre „weiße Weste“. Wie schon im März entpuppte sich der TV Großwallstadt in der Unterfrankenhalle zu Aschaffenburg als „Stolperstein“. Die Süddeutschen siegten verdient mit 28:24 (16:12). „Es ist immer schwer, wenn man sich auswärts nicht frühzeitig absetzen kann“, sagte ein enttäuschter SG-Trainer Kent-Harry Andersson. „Die Zuschauer werden immer lauter, der Gegner immer motivierter und wir immer enttäuschter.“
Während die Mannen von Kent-Harry Andersson am Freitag nach Aschaffenburg reisten, vergnügten sich die Handballer vom TV Großwallstadt auf dem Golfplatz – ganz nach dem Motto „Handball meets Golf“. Für die Gruppen-Dynamik offenbar optimal. Die aggressive, offensive Deckung der Unterfranken machte der SG das Leben schwer. Schrittfehler von Glenn Solberg, Stürmerfoul von Joachim Boldsen, Wurf von Marcin Lijewski in den Abwehrblock – die ersten sieben Minuten vergingen ohne SG-Treffer. 2:0 für Großwallstadt! Das war ganz im Sinne von TVG-Coach Michael Roth: „Mit einem guten Start wollten wir Flensburg nervös machen.“
Dann schien der Deutsche Pokalsieger unter den Augen von Handball-Legende Jo Deckarm etwas besser in Schwung zu kommen. Lars Christiansen verwandelte einen Siebenmeter zum 6:5 und leitete kurz darauf eine schöne Kombination ein, die Glenn Solberg zum 7:6 (16.) abschloss. Doch ein „isländischer Hattrick“ schockte die SG. Das 9:7 für die Hausherren produzierte der Linkshänder Einar Holmgeirsson im Alleingang! Zugleich bauten die SG-Schützen den TVG-Keeper Chrischa Hannawald immer mehr auf. Mit 21 Paraden stellte er seine Gegenüber klar in den Schatten. Der Vorsprung schmolz nicht, den „Nordlichtern“ fehlte irgendwie die geistige Frische. „Nicht immer durch die Mitte“, mahnte Kent-Harry Andersson während einer Auszeit an, die er beim 11:8 nahm.
In der Pause hofften die mitgereisten SG-Schlachtenbummler auf eine Leistungssteigerung ihrer Spieler – und auf nachlassende Kräfte der Großwallstädter. Immerhin fehlten mit Jan Olaf Immel (Schulter-Operation), Heiko Grimm (Bauchmuskel-Zerrung) und Wyatcheslaw Lochmann (Kreuzbandriss) drei wichtige Leute, während Ulrich Wolf benommen in die Kabine geführt werden musste. Doch zunächst gab es wenig Balsam für die Fan-Seele. Die Süddeutschen zogen auf 19:14 (37.) davon. „Mit Chrischa Hannawald und Einar Holmgeirsson hatten wir große Probleme“, räumte Kent-Harry Andersson ein.
Dann operierte die SG mit Sören Stryger und Goran Sprem als vorgezogene Spitze gegen den Linkshänder Einar Holmgeirsson. Die Partie schien zu kippen. Johnny Jensen verkürzte auf 20:22 (44.). Zwar scheiterte Lars Christiansen am überragenden Chrischa Hannawald von der Siebenmeter-Linie, doch die Kroaten Igor Kos und Blazenko Lackovic schafften beim 23:24 den Anschluss. Zwei Blackouts, die die Großwallstädter mit eiskalten Gegenstößen bestraften, zerstörten letztendlich aber die Aufholjagd. Während die Unterfrankenhalle den „Coup“ mit „La ola“ und Trommel-Wirbel feierte, verließen die SG-Akteure die Stätte der ersten Saison-Niederlage ganz still und leise.

Die richtige Taktik hatte Igor Kos wohl nicht auf den Lippen.

TV Großwallstadt– SG Flensburg-Handewitt 28:24 (16:12)
TV Großwallstadt: Hannawald (21 Paraden), Rominger (bei einem 7m) – Hofmann (1), Hetkamp, Tiedtke (4), Wolf, Kunz (1), Brack (4), Petterson (1), Holmgeirsson (10), Klein (7)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (4 Paraden, ab 31.), Holpert (6 Paraden) – Solberg (4), Lackovic (2), Nielsen, Sprem, Jensen (1), Christiansen (6/3), Stryger (4/1), Lijewski (3), Boldsen, Kos (4), Knudsen
Schiedsrichter: Fleisch/ Rieber (Ostfildern/ Nürtingen); Zeitstrafen: 8:8 Minuten (Petersson 4, Wolf 2, Holmgeirsson 2 – Nielsen 4, Sprem 2, Lijewski 2); Siebenmeter: 1/0:5/4 (Brack scheitert an Holpert – Hannawald hält gegen Christiansen; Zuschauer: 3500
Spielfilm: 2:0 (6.), 3:3 (10.), 5:6 (14.), 6:7 (16.), 9:7 (19.), 11:8 (23.), 14:10 (27.) – 16:13 (31.), 18:13 (33.), 19:16 (38.), 21:19 (43.), 23:22 (50.), 24:23 (51.), 27:23 (56.)


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