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Bundesliga: 70 Tore zum „Advent“

Die SG Flensburg-Handewitt und die HSG Wetzlar läuteten die Adventszeit in der Handball-Bundesliga mit einem munteren Scheibenschießen ein. Am Ende gewann der Favorit erwartungsgemäß mit 38:32 (21:16). Die Leistung seiner Truppe motivierte Kent-Harry Andersson aber nicht zu Jubelsprüngen. „Das war nicht mehr als ein Arbeitssieg“, gestand der SG-Trainer ein und forderte: „Wenn wir in Zagreb bestehen wollen, müssen wir uns in Abwehr und im Rückzugsverhalten verbessern.“
Die Weichen für einen schillernden Abend waren vor dem Anpfiff gestellt. Svenja Johannsen betrat als Zuschauer Nummer 500000 die Campushalle, Dan Beutler erhielt ein Präsent für sein 100. Spiel in Hamburg. Und als dann die SG blitzschnell mit einem 6:2 in die Partie startete, sahen viele Zuschauer vor Freude schon die erste Adventskerze brennen. Doch Wetzlar ergab sich nicht freiwillig. Valter Matosevic rückte nach zehn Minuten (8:4) für Axel Geerken ins Tor. Zwei Paraden – und die Hessen glichen urplötzlich wieder aus. Gäste-Coach Dragan Markovic betrachtete derweil genüsslich einen kleinen Coup. Christian Caillat stürmte als gelernter Rückraum-Mann auf Linksaußen. „Ich galube“, schmunzelte er später, „diese Überraschung hat gesessen.“
Die Wetzlarer überraschten noch in einem anderen Punkt. Die Abwehr war bis auf eine zwischenzeitliche, kurze Deckung gegen Marcin Lijewski alles andere als offensiv. Für diese taktische Maßnahme hatte Dragan Markovic, der am Vormittag noch eine „Generalprobe“ in der Campushalle absolvierte, eine schlichte Erklärung: „Für eine 3:3-Deckung habe ich nicht die richtigen Leute und nicht genug Alternativen auf der Bank.“ Die personelle Lage spitzte sich während der Partie sogar noch zu. Nach Robert Sighvatsson (Zerrung) und Damir Radoncic (Rückenschmerzen) verzog sich in der ersten Hälfte Christian Caillat mit einer Ellbogen-Prellung auf die Bank.
Kent-Harry Andersson hatte im Vergleich zur letzten Partie in Hamburg seine Start-Aufstellung auf zwei Positionen umgestellt. Jan Holpert kam mal wieder zum Zuge und bot eine solide Vorstellung. Zudem tauchte Michael V. Knudsen im Mittelblock und am Kreis auf. „Johnny Jensen und er sind leistungsmäßig fast gleichauf“, sah Kent-Harry Andersson keinen besonderen Grund für diesen Wechsel. „Ich hatte bislang nur mehr auf Johnny Jensen gesetzt, weil er besser in unser Spiel integriert war.“
Doch diesmal durfte sich der „Handballgott“ weitgehend entspannen. Michael V. Knudsen bot eine gute Leistung und war mit daran beteiligt, dass die SG zur Pause wieder klar führte. Nach dem „Pausentee“ verkürzte Wetzlar zwar auf 21:24, der SG-Angriff war aber insgesamt stark genug, um die Abwehr-Schnitzer zu kompensieren. Joachim Boldsen erzielte schnließlich mit einem „Traktor-Tor“ das 33:26 und damit das 3000. SG-Tor in der Campushalle. Die Fans auf der Nordtribüne skandierten nun „Flensburg“, die Südtribüne antwortete mit „Handewitt“ – und die restlichen Zuschauer applaudierten dieser Einlage. Spätestens jetzt war die Stimmung für die Adventszeit da. Die Mannschaft fuhr gleich nach Spielschluss nach Aarhus zu einem gemeinsamen Abend: „Wir ziehen dort gewiss nicht um die Häuser“, versicherte SG-Manager Thorsten Storm. „Es geht darum, sich intern als Mannschaft weiterzuentwickeln.“

Zuschauerin Nummer 500 000 in der Campushalle: Svenja Johannsen.

 

SG Flensburg-Handewitt – HSG Wetzlar 38:32 (21:16)
SG Flensburg-Handewitt: Beutler (bei einem 7m), Holpert (14 Paraden)- Solberg (3), Lackovic (4), Nielsen (1), Sprem (2), Jensen (2), Christiansen (8/3), Lijewski (6), Boldsen (6/1), Kos (1), Knudsen (5)
HSG Wetzlar: Geerken (2 Paraden), Matosevic (11/2 Paraden) – Clößner, Alvanos (8), Werum (2), Lex (3), Kaufmann (5), Karipidis (10/5), Golic (2), Caillat (2)
Schiedsrichter: Schaller/Wutzler (Leipzig/Frankenberg); Zeitstrafen: 2:6 Minuten (Lijewski 2 - Alvanos 4, Clößner 2); Siebenmeter: 6/4:5/5 (Christiansen und Sprem scheitern an Matosevic); Zuschauer: 6250
Spielverlauf: 1:1 (3.), 4:1 (5.), 6:2 (7.), 8:4 (10.), 8:8 (12.), 11:9 (15.), 15:11 (21.), 16:14 (24.), 20:15 (29.) - 21:18 (33.), 24:21 (38.), 27:22 (42.), 29:23 (45.), 33:26 (52.), 36:28 (56.), 37:32 (60.)

 

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