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Bärenstarke Defensive

28.02.2015 -DKB Handball-Bundesliga: 20:23 – ein Achtungserfolg, der Mut macht

Die SG Flensburg-Handewitt verlor das Spitzenspiel in der DKB Handball-Bundesliga bei den Rhein-Neckar Löwen mit 20:23 (8:14). Ein Ergebnis, das angesichts der Personalnot nicht überraschte. „In den ersten 15 Minuten hätten wir ruhig etwas mehr kämpfen können, doch dann kämpften meine Spieler wie verrückt“, sagte SG Trainer Ljubomir Vranjes. „Sie haben trotz der frustrierenden Situation alles in die Waagschale geworfen, was zur Verfügung stand.“ SG Geschäftsführer Dierk Schmäschke, der diesmal als Co-Trainer auf der Bank saß, meinte: „Wir haben 45 Minuten ein gutes Handball-Match gesehen und die zweite Halbzeit gewonnen.“

Wer spielt diesmal? Eine Frage, die in der letzten Zeit unter den Fans der SG rege kursiert. Nun, als die Beleuchtung der SAP-Arena voll hochgefahren war, stand Co-Trainer Maik Machulla am Mittelkreis und nahm den Anwurf von Anders Zachariassen auf und erzielte kurz darauf den ersten Treffer des Tages.  Dagegen saßen Lasse Svan, Lars Kaufmann oder gar Thomas Mogensen erneut nicht auf der Bank. Die letzteren beiden waren gar nicht erst nach Mannheim mitgefahren, während Lasse Svan sich zumindest am Warm-Up beteiligte. Sofort im Film war indes Mattias Andersson: Der Keeper parierte zunächst einen Strafwurf von Uwe Gensheimer, dann einen Gegenstoß von Patrick Groetzki. Die Rhein-Neckar Löwen operierten mit einer offensiven 3:2:1-Deckung.  Der gerade für Anders  Eggert eingewechselte Hampus Wanne markierte zwar den 2:2-Ausgleich, doch danach rannte die SG sieben Minuten vergeblich gegen die Löwen-Defensive an. Es hieß 7:2, frühzeitig nahm Ljubomir Vranjes das erste Team-Timeout. Mit Ahmed Elahmar auf der Linkshänder-Position sorgte seine Truppe für etwas mehr Verwirrung. Anders Zachariassen schnappte sich an der Neun-Meter-Linie den Ball und zischte zum 9:6 durch. 

Die SG Fans waren auch in Mannheim präsent. 

Dann war es aber vorbei mit dem „Frühling“ der ersten Hälfte. Die Rhein-Neckar Löwen nahmen das Zepter wieder in die Hand. Bei den Gästen häuften sich die Abspielfehler. Alexander Petersson und Patrick Groetzki marschierten per Konter zu den nächsten Toren. 14:7 – der Vorsprung nahm bedrohliche Züge an. Da vermochten ein weiterer gehaltener Siebenmeter und eine passable Deckungsleistung der SG nicht viel auszurichten. „Wir haben unser Angriffsspiel leider nicht in den Griff bekommen“, bilanzierte Ljubomir Vranjes. „Wir sind in schwierige Situationen geraten und haben zu viele technische Fehler produziert. Mit der Deckung war ich hingegen schon im ersten Durchgang zu frieden.“

Die SG begann die zweite Hälfte wieder mit der Startformation. Es ging um Schadensbegrenzung.  Doch es waren die Badener, die besser aus der Kabine zurückkehrten.  Nach einem weiteren Gegenstoß über Uwe Gensheimer hieß es 17:9. Im Mittelblock und am Kreis sollte sich nun Neuzugang Jakob Macke bewähren, der beim 20:14 seinen ersten Treffer im SG Trikot erzielte. Die SG trotzte dem Personalengpass, der erneut mit sechs Ausfällen zu quantifizieren war, immer besser.  Gerade die Defensive schlug sich wacker und drückte den favorisierten Kontrahenten in der zweiten Hälfte unter zehn Treffer. Der Gastgeber schien nun auf dem Zahnfleisch zu gehen. „Für unsere Abwehr mussten wir viel investieren, am Ende fehlte uns deshalb vorne die Kraft, den Weg zum Tor zu suchen“, meinte Löwen-Coach Nikolaj Jacobsen. „Man muss aber auch sagen, dass wir auf eine sehr starke Flensburger Abwehr und einen überragenden Torwart Mattias Andersson getroffen sind.“

Das erste Tor von Jakob Macke: das 20:14.

Im Angriff fehlten allerdings die Optionen  für einen Husarenstreich. Positiv die Effizienz von Bogdan Radivojevic in der zweiten Hälfte: Mit einem Doppelschlag stellte der serbische Rechtsaußen den Endstand her. „Als Geschäftsführer kann ich unserer Mannschaft für die couragierte Leistung nur gratulieren“, bilanzierte Dierk Schmäschke. „Damit meine ich alle von unserem Oldie Maik Machulla bis hin zum Youngster Michael Nicolaisen. Der Altersunterschied beträgt immerhin fast 20 Jahre – das darf man nicht vergessen.“ Ljubomir Vranjes begann, sich bereits auf die nächste Aufgabe zu konzentrieren: „Jetzt heißt es Kräfte sammeln für Mittwoch.“ Dann steigt das Viertelfinale des DHB-Pokals in Gummersbach. Mal sehen, wer dann spielen kann.

Bogdan Radivojevic drehte auf. Fotos: Beate Haar.

Rhein-Neckar Löwen – SG Flensburg-Handewitt 23:20 (14:8)
Rhein-Neckar Löwen: Landin (16 Paraden) – Schmid (2), Gensheimer (6/2), Myrhol (1), Groetzki (3), Ekdahl du Rietz (4), Kneer, Mensah Larsen (1), Reinkind (4), Petersson (2)
SG Flensburg-Handewitt: Andersson (16/2 Paraden) – Karlsson, Machulla (3), Nenadic (2), Eggert (2/2), Wanne (1), Nicolaisen, Jakobsson, Zachariassen (1), Macke (1), Radivojevic (7), Elahmar (3)
Schiedsrichter: Geipel/Helbig (Steuden/Landsberg); Zeitstrafen: 0:10 Minuten (Karlsson 2, Nenadic 2, Jakobsson 2, Zachariassen 2, Radivojevic 2); Siebenmeter: 4/2:2/2 (Gensheimer und Andersson scheitern an Andersson); Zuschauer: 12142
Spielverlauf: 0:1 (1.), 2:1 (6.), 2:2 (8.), 7:2 (13.), 8:3 (16.), 8:5 (19.), 9:6 (20.), 11:6 (24.), 14:7 (28.) – 16:8 (33.), 17:9 (36.), 17:11 (39.), 19:12 (45.), 20:14 (47.), 21:16 (52.), 22:18 (57.), 23:18 (58.)   

Von: ki