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Interview der Woche

24.11.2012 -Dänisches Flügel-Duell: Hans Lindberg und Anders Eggert

Wenn sich am Sonntag die SG Flensburg-Handewitt und der HSV Hamburg in der Flens-Arena messen, stehen sich zwei dänische Flügelspieler direkt gegenüber. Der Hamburger Rechtsaußen Hans Lindberg und SG-Linksaußen Anders Eggert. Die beiden eint die Leidenschaft fürs Torewerfen.

Wisst ihr, wie die Torschützenliste der VELUX EHF Champions League nach vier Spielrunden ausgesehen hat?
Anders Eggert: Also, da habe ich noch nicht hingeschaut.
Hans Lindberg: Ich habe mich auch mit anderen Dingen beschäftigt. Für eine gute Platzierung kommen viele Spieler in Frage.

Hans Lindberg führte mit 36 Treffern, dahinter folgte Anders Eggert mit 33. Am letzten Wochenende hat allerdings Ivan Cupic (KS Vive Kielce) die dänische Phalanx durchbrochen und sich an die Spitze gesetzt. Die Frage darf aber trotzdem erlaubt sein: Ist das Torewerfen eine dänische Domäne?
Anders Eggert: (lächelt) Weiß ich nicht. Ich glaube, das hat eher damit zu tun, dass wir beide auch die Siebenmeter werfen und in Mannschaften stehen, die ohnehin viele Tore machen.
Hans Lindberg: Für mich ist es zuletzt gut gelaufen, und bei Anders kommt es ja auch nicht von ungefähr. Schließlich war er 2011 Bundesliga-Torschützenkönig.

Auffällig ist aber schon, dass Dänemark traditionell über starke Außen verfügt. In Flensburg denkt man da natürlich an Lars Christiansen oder auch an Sören Stryger und Christian Hjermind. Gibt es in eurem Land eine besondere Schulung für die Außen?
Hans Lindberg: Als wir jung waren, hatten wir Vorbilder. Vor allem Lars Christiansen und Nikolaj Jacobsen haben da mit ihren vielen Drehern und Tricks Akzente gesetzt. Das wollte man auch können, dadurch ist eine Tradition entstanden.
Anders Eggert: Bei uns wurde schon in der E-Jugend viel mit Bällen probiert und früh damit angefangen, Dreher zu trainieren. Ich weiß nicht, wie es in Deutschland ist: Aber bei uns durfte man früh variantenreich werfen, auch wenn es mal danebenging. Der kurzfristige Erfolg in der Jugend war nicht so wichtig. Man dachte eher langfristig, dass ein großes Wurfrepertoire später hilfreich sein würde.

Hans, am letzten Sonntag hast du nur drei Siebenmeter geworfen, sonst musstest du pausieren? Wirst du diesmal spielen können?
Hans Lindberg: Ein Nerv in der Schulter hatte sich eingeklemmt. Unsere Physiotherapeuten arbeiteten eifrig daran, dieses Problem zu beheben. Deshalb gehe ich davon aus, dass ich in Flensburg spielen kann.

Anders, warst du überrascht, dass du nicht gegen Hans Lindberg gespielt hast?
Anders Eggert: Schon, aber ich mache mir nicht so viele Gedanken, wer beim HSV spielt. Die Hamburger haben zwei starke Rechtsaußen.

Dann würde es gegen Anders Eggert, einem dänischen Landsmann gehen. Hat dieses Duell einen besonderen Reiz?
Hans Lindberg: Vor ein paar Jahren noch, inzwischen nicht mehr. Wir haben schon oft gegeneinander gespielt. In dieser Saison sehen wir uns zwei Mal in der Bundesliga, nun in der Champions League und vielleicht noch im Pokal.

Und Anders, wie siehst du das?
Anders Eggert: Es ist immer interessant, im Ausland auf einen Landsmann zu treffen. Mehr als ein kurzer Gruß vor dem Spiel ist aber nicht möglich. Denn dann geht es los – und wir beide wollen mit unseren Teams gewinnen.

Gibt es etwas, was ihr am anderen bewundert und gerne besser beherrschen würdet?
Anders Eggert: Seine Würfe aus dem Rückraum. Hans wirft von dort zwar nicht so oft, aber wenn, dann sind die Würfe stramm. Insgesamt sind wir schon sehr unterschiedliche Typen. Er wirft meistens auch von außen hart, ich langsamer und mit viel Effet. In der Deckung liebt es Hans offensiv, ich bin da eher zurückhaltend.
Hans Lindberg: Anders hat ein unglaubliches Repertoire an Würfen. Man weiß nie, was als nächstes kommt. 

Wie habt ihr das Hinspiel gesehen? Weshalb hat der HSV gewonnen?
Hans Lindberg: Am Anfang lagen wir mit sieben Toren hinten, haben insgesamt aber teilweise gut gespielt. Unser Torhüter Dan Beutler hat am Ende ein paar gute Bälle gehalten. Zudem waren bei Flensburg die Verletzungssorgen angewachsen.
Anders Eggert: In der Tat: Wir hatten einen sehr guten Auftakt, sind viel Tempo gegangen und die Gegenstöße gelaufen. Dann kam leider die schwere Verletzung von Arnor Atlason dazwischen. Das war eine kleine Katastrophe für uns. Wir hatten weniger Wurfkraft aus dem Rückraum und konnten auch das Tempo über 60 Minuten nicht halten. Außerdem konnten wir gegen Domagoj Duvnjak nicht so verteidigen, wie wir uns das vorgenommen hatten.

Wer gewinnt die Gruppe A? Welche Rolle spielt dabei das heutige Spiel?
Anders Eggert: In jedem Fall müssen wir Hamburg schlagen, um die Chance auf den Gruppensieg zu wahren. Trotz aller Probleme spielen wir, um zu gewinnen. Die Spieler, die auf dem Feld stehen, haben sehr gute Qualitäten. Außerdem müssen wir das Hinspiel analysieren und einige Dinge verändern.
Hans Lindberg: Es sieht ganz so aus, als ob Hamburg und Flensburg weiterkommen würden. Wenn wir bei der SG verlieren sollten, würde es wieder ganz eng werden. Um Platz eins sehe ich aber auch Chekhovskie Medvedi noch im Rennen. Wir müssen im Februar nach Russland. Zunächst blicken wir aber auf heute. Die SG klagt über Verletzungspech, aber auch wir haben sieben bis acht angeschlagene oder verletzte Spiele und müssen jedes Mal um die letzten Reserven kämpfen. Heute können beide Teams gewinnen.

Von: ki