Stripes
Stripes
Archiv

Modernste Trainingsmethoden und Überwachung

13.10.2017 -Handball und Universität: Kooperation von Spitzensport und Wissenschaft

Die SG Flensburg-Handewitt, die Flensburg Akademie GmbH und die Europa-Universität Flensburg unterschrieben am gestrigen Abend im Rahmen einer gesonderten Pressekonferenz einen Kooperationsvertrag. Auf dem Foto von links freuten sich SG Geschäftsführer Dierk Schmäschke, SG Mannschaftsarzt Dr. Torsten Ahnsel, SG Trainer Maik Machulla, Prof. Dr. Jochen Baumeister und Flensburg Akademie Geschäftsführer Lewe T. Volquardsen über den frisch unterzeichneten Vertrag. Seit Saisonbeginn kooperieren alle Beteiligten mit dem gemeinsamen Ziel, physiologische Beanspruchungen und sportliche Leistungen in Training und Wettkampf zu quantifizieren, wissenschaftlich zu untersuchen und für die Trainingspraxis handhabbar zu machen. Getestet werden beispielsweise Wendigkeit, Ausdauer und Schnelligkeit, um Sportlern individuelle Trainingsempfehlungen geben zu können.

„Wir wollen helfen, die Leistungen einzelner Spieler gezielt weiterzuentwickeln, sie im Wettkampf besser zu machen und die Daten nutzen um neue Erkenntnisse zu generieren und wissenschaftlich abzusichern“, erklärt Prof. Dr. Jochen Baumeister vom Institut für Gesundheit, Ernährung und Sportwissenschaften der EUF. In einem ersten Kooperationsprojekt führte Baumeister mit seinem Team in der Vorbereitung auf diese Saison eine Leistungsdiagnostik mit den Profis der SG Flensburg-Handewitt durch. Nach und nach werden jetzt auch das Juniorteam und die Nachwuchsmannschaften folgen. „Uns geht es nicht nur um die momentane Leistung, sondern wir wollen die Entwicklung der Spieler nachhaltig begleiten, um Trainingsprozesse individueller gestalten zu können“ so Lewe T. Volquardsen von der Flensburg Akademie.

Dabei beobachten die Wissenschaftler die konditionelle Leistungsfähigkeit der Spieler: So werden etwa die Sprunghöhe aus dem Stand, die Schnelligkeit im Sprint sowie beim Richtungswechsel, als auch über den Laktattest die Ausdauerleistungsfähigkeit gemessen. Nach der Datenerhebung bewerten die Wissenschaftler die Ergebnisse gemeinsam mit dem Trainerteam der SG, um für jeden Spieler individuelle Empfehlungen abzuleiten.

Maik Machulla, dem Trainer der SG Flensburg-Handewitt gibt diese Beratung wichtige neue Hinweise für sein Trainingsprogramm: „Die Diagnostik und Beratung durch die Sportwissenschaftler der EUF ist für unsere Trainingspraxis sehr hilfreich und hilft uns in der Entwicklung der einzelnen Spieler “, so Maik Machulla. Jochen Baumeister will aber nicht mehr nur Herz-Kreislauf-System und Bewegungsapparat in den Blick nehmen, sondern vor allem das zentrale Nervensystem. „Vom Gehirn aus werden alle Bewegungen gesteuert. Es ist ein sehr dynamisches Organ und seine Funktionen können ebenso wie die von Muskeln trainiert werden.“ Baumeister und seine Mitarbeiter messen zum Beispiel Gehirnströme in der Bewegung, um nachzuweisen, welche Hirnregionen und -netzwerke bei körperlicher Leistung beansprucht werden.

Das Nervensystem ist auch bei einem neuen Diagnostik Tool zur Messung der Handlungsschnelligkeit ursächlich beteiligt: dem Speedcourt. Hier werden kognitive und motorische Reaktion gemessen und trainiert, um die Spieler „im Kopf“ schneller zu machen und vor Verletzungen zu schützen. Der Speedcourt wurde dem Sportinstitut der EUF von der Firma Globalspeed für diese Saison zur Verfügung gestellt und in der Akademie Flensburg verlegt. Dort nutzen Profis wie Nachwuchsmannschaften dieses Instrument gemeinsam. Baumeister ist insbesondere an den Daten zur Handlungsschnelligkeit vor und nach Verletzungen interessiert. „Der Speedcourt wird uns helfen gemeinsam mit dem SG Medical Team, bessere Return to play Entscheidungen zu treffen, Spieler wieder in den Trainingsbetrieb zu integrieren und das Risiko einer Wiederverletzung zu verringern“, so Baumeister.SG Geschäftsführer Dierk Schmäschke freut sich über die Kooperation und ergänzt: „Es ist toll, dass wir nun gemeinsam mit der Europa-Universität Flensburg unsere Synergie-Effekte ausnutzen und alle Seiten davon profitieren können. Wir arbeiten gemeinsam auf dem Flensburger Campus, da machte eine Kooperation auch im sportwissenschaftlichen Bereich natürlich Sinn. Wir haben nun die Möglichkeit modernste Tests vor Ort durchzuführen und eine große Bandbreite an Ressourcen zur Trainingssteuerung zu nutzen. Gemeinsam mit unserem SG Medical Team und der DIAKO Flensburg sind wir mit der Kooperation großartig in diesem Bereich aufgestellt.“

Die Erkenntnisse der Flensburger Sportwissenschaftler kommen aber nicht nur den Leistungssportlern der SG zu Gute. „Der Transfer der Erkenntnisse in den Bereich Gesundheit ist immer ein vordergründiges Ziel.“, so Baumeister. So sind auch Trainingseinheiten zur Sturzprophylaxe von Älteren und zur Rehabilitation nach muskuloskeletalen Verletzungen auf dem Speedcourt denkbar.

Die vollständige Pressekonferenz zum Thema sowie ein ausgiebiges Interview mit SG Trainer Maik Machulla und Prof. Dr. Jochen Baumeister gibt es auf dem YouTube Kanal der SG Flensburg-Handewitt hier sowie der Europa-Universität Flensburg.

Von: sg