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HC Meshkov Brest

Weißrussische Fans in Flensburg

Terminstress gibt es auch in Weißrussland: Der HC Meshkov rechnet für diese Saison mit 70 Pflichtspielen. Dementsprechend plant der Klub mit einem großen Kader, der 28 Spieler umfasst. Die einzelnen Positionen sind drei- bis vierfach besetzt. Ein Beispiel: Mit Ivan Matskevich hat der weißrussische Meister einen vierten Torwart unter Vertrag genommen, obwohl sich zuletzt schon der Kroate Ivan Pesic, das weißrussische Urgestein Vitali Charapenka und der Montenegriner Rade Mijatovic einen erbitterten Konkurrenzkampf geliefert hatten.

Trainer Sergej Bebeshko war 1992 Olympiasieger.

Nicht nur wegen der Menge an Spielern ist Trainer Sergej Bebeshko, der 1992 Olympiasieger und lange Zeit in Spanien und Frankreich aktiv war, gefordert. Einige Leistungsträger wie der 2,15 Meter große Linkshänder Dainis Kristopans und der flinke Spielmacher Pavel Atman sind abgewandert. Im Gegenzug bietet der HC Meshkov einige namhafte Neuzugänge auf. Petar Djordjic und Pavel Horak kamen direkt aus der Bundesliga, Ex-Fuchs Konstantin Igropulo glänzt mit der Referenz, mit drei verschiedenen Klubs drei verschiedene Europapokale gewonnen zu haben.

Elf ausländischen Profis stehen ebenso viele Akteure aus der Region gegenüber, die auf sich aufmerksam machen wollen. Am besten gelang das bislang dem 21-jährigen Artiom Kulak, der in der letzten Serie bereits häufiger als Lenker der Offensive einsprang, und Linksaußen Andrey Yurynok, der bei der jüngsten Weltmeisterschaft für Weißrussland antrat.

Rechtsaußen Dzianis Rutenka.

Ohne Frage: Der HC Meshkov ist der sportliche Stolz der 300.000-Einwohner-Stadt, die nur einen Steinwurf von Polen entfernt liegt. Der Handball spielte im Westen Weißrusslands schon zu Sowjetzeiten eine Rolle. Treibende Kraft war der Pädagogik-Professor Anatoly Meshkov. Der legendäre Trainer verstarb 1994. Seine Familie übernahm das sportliche Erbe. Die beiden Söhne Aleksandr und Sergey gründeten im April 2002 einen Verein mit professionellen Strukturen, meldeten ihn in der ersten Nationalliga an und benannten ihn nach ihrem Vater: HC Meshkov. Es passte gut, dass Aleksandr Meshkov eine hohe Position beim riesigen Energieversorger „Gazprom“ innehatte. Ein Hauptsponsor für die Handballer war gefunden.

Kreisläufer Rastko Stojkovic.

National war der Klub seit dem Scheitern des Projekts „Dinamo Minsk“ unangefochten. Zuletzt wanderten Meisterschaft und Pokal vier Mal in Serie gleichzeitig in die Vereinsvitrine. Kein Wunder, dass der HC Meshkov längst mehr auf der Agenda hat als nationale Lorbeeren: „In den letzten drei Jahren haben wir deutliche Fortschritte bei den sportlichen Ergebnissen und im Marketing erzielt“, bilanzierte Aleksandr Meshkov unlängst. „Schritt für Schritt wollen wir uns weiterentwickeln und irgendwann die VELUX EHF Champions League gewinnen.“

Auch wenn zuletzt SKA Minsk erstarkte, gilt das weißrussische Double als Selbstverständlichkeit. Daneben werden das Final Four der südosteuropäischen Seha-League und – wie in den beiden letzten Jahren – das Achtelfinale der VELUX EHF Champions League angestrebt. „Auch wenn wir uns in einer sehr starken Gruppe befinden, wollen wir uns unter die ersten Fünf platzieren“, gab Sportdirektor Pavel Bashkin als Losung aus. Für dieses Vorhaben sah es zunächst sehr gut aus. Der HC Meshkov hatte 5:5 Punkte auf dem Konto und wollte diese Bilanz in den Heimspielen gegen zwei stressgeplagte Vertreter der DKB Handball-Bundesliga ausbauen. Das Vorhaben scheiterte bekanntlich: Nach dem THW Kiel gewann am letzten Wochenende auch die SG Flensburg-Handewitt in Weißrussland.