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Eine Demonstration der Stärke

(sh:z; Hans-Werner Klünner) Den Auswärtsfluch von Hannover nach fünf Jahren ohne Sieg endlich beendet und die Tabellenführung in der Handball-Bundesliga eindrucksvoll verteidigt – die SG Flensburg-Handewitt hat mit dem 35:20 (16:8) am zweiten Spieltag der Handball-Bundesliga ein zweites Ausrufezeichen gesetzt. Doch Trainer Ljubomir Vranjes wollte das Ergebnis nicht überbewertet wissen. „Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht, den Gegner von der ersten bis zur letzten Minute kontrolliert. Aber es war erst der zweite Spieltag“, sagte der Schwede nach der Handball-Demonstration in der niedersächsischen Landeshauptstadt.

Wobei „kontrolliert“ als untertrieben bezeichnet werden kann. Was die Flensburger vor 4100 Zuschauern in der „Swiss Life Hall“ zeigten, war Handball vom Feinsten. Beweglich und schnell in der Defensive mit einem überragenden Mattias Andersson dahinter und vorn mit hohem Tempo, fast ohne technische  Fehler und gnadenlos im Abschluss. Gegen eine konzentriert aufspielende SG waren die Hannoveraner von Beginn an chancenlos und wurden nach ihrem Auswärtscoup von Göppingen (34:23) wieder auf den harten Boden der Realität zurückgeholt.

Am Ende konnten die Niedersachsen froh sein, wenigstens noch 20 Tore gegen den Spitzenreiter erreicht zu haben. „Wir hatten keine Aggressivität in der Abwehr und haben über 60 Minuten keinen Zugriff auf die SG gefunden“, musste Rückraumspieler Fabian Böhm, mit fünf Treffern bester Hannoveraner Schütze, kleinlaut eingestehen. Die Flensburger waren dagegen obenauf. „Wir haben mit unserer Abwehr und zwei super Torhütern dahinter den Grundstein zum Sieg gelegt und Hannover schnell den Zahn gezogen“, frohlockte Linkshänder Holger Glandorf.

„Wenn deine Taktik so gut funktioniert, dann kann so etwas passieren“, strahlte Vranjes. 60 Minuten lang hatte seine Mannschaft perfekt umgesetzt, „was wir uns vorgenommen hatten“. Auch Wechsel brachten die Gäste nicht aus dem Rhythmus. Die Philosophie von Vranjes, die Mannschaft im Jahr mit EM,  Olympia und WM möglichst nicht zu verändern, trägt jetzt Früchte. „Auch die neuen Spieler wissen genau, was ich will“, sagte der SG-Trainer und führte als Beispiel Henrik Toft Hansen an. „Was er in den ersten sechs Monaten in der Abwehr spielte, ist mit heute nicht mehr zu vergleichen“, lobte der Coach seinen Kreisläufer. Andere Akteure wie Kentin Mahé („bärenstark“), Petar Djordjic („zurzeit überragend“) oder Jacob Heinl („richtig gut im Angriff“) schloss der Trainer in sein Lob mit ein. „Es freut mich, dass es alle kapiert haben“, so Vranjes.

Doch wer den Schweden kennt, weiß, dass er mit dem Moment zwar zufrieden ist, aber sein Team weiter verbessern will. „Das Schöne ist, dass es morgen keinen mehr interessiert, was wir gestern gemacht haben. Wir müssen den nächsten Schritt gehen“, untermauerte der SG-Trainer. Dabei kann er sich auf ein funktionierendes Team verlassen. „Wir sind gut, und wir spielen gut. Wir haben in der harten Vorbereitung mit der Mannschaft genau das erreicht, was ich erreichen wollte.