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Wisla Plock

Ein Kader ist immer in Bewegung. Gleich ein Quintett stellte Wisla Plock im Januar für die polnische Nationalmannschaft ab, die in Katar WM-Bronze gewann. Nun sind allerdings zwei Akteure aus diesem Kreis ausgeschieden. Zwar blieben Rechtsaußen Michal Daszek, Torwart Marcin Wichary und Linksaußen Adam Wisniewski an der Weichsel, der Halblinke Mariusz Jurkiewicz wechselte indes zur nationalen Konkurrenz Kielce, während sich Kreisläufer Kamil Syprzak den Traum erfüllte, einmal für den FC Barcelona zu spielen.

Kreisläufer Marco Oneto.

Der polnische Vize-Meister musste auf dem Transfermarkt reagieren, zumal mit dem gebürtigen Kasachen Alexander Tioumentsev auch ein Spielmacher die Mannschaft verließ. Der Pole Bartosz Konitz und der Russe Dmitry Zhitnikov sollen die Lücken in der Rückraum-Riege füllen. Ebenso der Bosnier Marko Tarabochia, der erst kurz vor Saisonstart zum Team stieß. Größere Sorgen bereitet den Verantwortlichen die Kreisläufer-Besetzung. Immerhin konnten sie mit dem Chilenen Marco Oneto, zuletzt GWD Minden, einen interessanten Nachfolger für Kamil Syprzak präsentieren. Doch der Neuzugang musste gleich mehr Verantwortung übernehmen, als allen lieb war, da seine Positionskollegen an Verletzungen laborierten. Zbigniew Kwiatkowski und Mateusz Piechowski sind inzwischen zurückgekehrt.

Vor dem Start in die VELUX EHF Champions League waren optimistische Töne aus Zentralpolen zu hören. „An unserer Einstellung ändert sich nichts“, betonte Kapitän Adam Wisniewski. „Wir wollen immer das Beste geben und haben mit dieser Philosophie im letzten Jahr Barcelona, Flensburg und Vardar Skopje geschlagen.“ In der letzten Serie schloss Wisla Plock die Gruppenphase als Dritter vor der SG Flensburg-Handewitt ab und zog damit zum insgesamt vierten Mal ins Achtelfinale ein. „Doch diesmal wird der Wettbewerb so schwer wie nie“, meint Trainer Manolo Cadenas. „Dennoch wollen wir wieder zu den Top16 gehören. Unsere jungen Spieler haben in den letzten Monaten signifikante Fortschritte gemacht.“

Neuzugang aus Brasilien: José Toledo.

Die Ursprünge des Stammvereins ZSK Wisla Plock gehen bis in Jahr 1947 zurück. Damals prägten aber nur die Fußballer das Vereinsleben. Als zweite und letzte Sparte wurde 1960 die der Handballer aus der Taufe gehoben. Langfristig kam der Erfolg. Seit 1988 gehört Plock zu den Mitgliedern der ersten polnischen Division. Diesmal zog der polnische „Vize“ dank einer „Wild Card“ in die europäische Königsklasse ein. Der Klub feierte im Handball immerhin sieben Meisterschaften und zehn Pokalsiege auf nationaler Ebene, doch der letzte Titel stammt von 2011.

Insgesamt bewegen sich die Ballwerfer aus der 120.000-Einwohner-Stadt, die eine gute Autostunde nordwestlich von Warschau liegt, im Schatten von Kielce. Mit Unterstützung des Petrochemie-Konzern „Orlen" konnte Wisla eine vorzeigbare Infrastruktur aufbauen. Ein Schmuckstück ist die 2011 eingeweihte Orlen-Arena, die gewöhnlich bei europäischen Königsklassen-Partien mit 5500 Zuschauern ausverkauft ist.

Russische Hoffnung: Dmitry Zhitnikov.

Dennoch kann der Verein mit den potentesten Klubs im Ausland nicht mithalten. Der serbische Linkshänder Nemanja Zelenovic, der schon vor längerer Zeit für die nächste Serie einen Vertrag beim SC Magdeburg unterschrieben hatte, wechselte bereits Anfang November in die DKB Handball-Bundesliga. Ersatz fand sich in Spanien bei BM Granollers. Der brasilianische Nationalspieler José Toledo, der beim Supercup in Flensburg glänzte, führte sich gegen Besiktas Istanbul mit vier Toren ein. Wisla siegte mit 32:26 und landete den ersten Heimsieg. Zuvor waren ein Auswärtssieg in Celje und ein sehr achtbares Remis gegen MVM Veszprém geglückt. Am letzten Wochenende folgten in der Türkei die Zähler acht und neun.