Stripes
Stripes
Archiv

Wieder mittendrin im Titelkampf

(sh:z; Michael Wilkening) Die SG Flensburg-Handewitt ist die Handball-Mannschaft der Stunde: In der Champions League den THW Kiel mit 37:27 überrannt, in der Bundesliga beim Tabellenführer Rhein-Neckar Löwen mit 25:22 gewonnen. Holen die Norddeutschen zum zweiten Mal nach 2004 den Meistertitel?  Die Flensburger weisen jedoch alle Spekulationen zurück, neuer Titelfavorit zu sein. „Unser Ziel ist, oben dranzubleiben. Wir denken nur von Spiel zu Spiel“ sagt Geschäftsführer Dierk Schmäschke. Auch Trainer Ljubomir Vranjes lässt sich auf keine Prognose ein, genießt vielmehr die momentane Situation: „Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft.“

Mit einer beeindruckenden kämpferischen Leistung hatte  sein Team das „Löwen-Trauma“ am Mittwoch beendet. Seit dem 20. März 2013 (30:27) hatten die SG in der Bundesliga gegen die Badener nicht mehr gewonnen. Und nun sitzt sie dem Titelfavoriten (36:6 Punkte) als Dritter mit lediglich einem Minuszähler Differenz im Nacken (33:7). Dazwischen rangiert Rekordmeister THW Kiel (34:6). Aus dem Zweikampf um den Titel ist ein Dreikampf geworden.

„Wir haben nicht darüber gesprochen, aber jeder hat es gewusst“, sagte Rasmus Lauge. Der Däne meinte damit die Ausgangslage vor der Partie. Bei einer Niederlage und dann fünf Punkten Rückstand auf die Löwen wäre der Meisterschaftszug abgefahren gewesen. Das war den Flensburgern klar. Und das gab ihnen den entscheidenden Schub, um den Löwen die erste Heimniederlage in der Liga seit 16 Monaten zuzufügen.

Lauge war in der Offensive der entscheidende Faktor. Er warf nicht nur neun Tore, sondern war immer dann zu Stelle, wenn er gebraucht wurde. „Wenn wir Probleme bekommen haben, hat Rasmus die wichtigen Tore gemacht“, lobte Matthias Andersson seinen Kollegen. Vier der letzten sechs Tore gingen auf das Konto des Rückraumspielers, der den Löwen in der Endphase fast im Alleingang den Garaus machte. „Ich habe mich gut gefühlt und hatte viele Eins-gegen-Eins-Situationen, die ich gut lösen konnte“, sagte Lauge. Er war nach der Partie viel zurückhaltender als auf dem Feld, wo er eine beeindruckende Dominanz ausstrahlte. „Die Löwen hatten Rasmus nie unter Kontrolle“, sagte Andersson anerkennend.

Der Torwart wusste, wem der Hauptanteil an diesem wichtigen Erfolg zukam, wenngleich auch Andersson ein Matchwinner war. 16 Paraden zeigte der Schwede und entnervte damit die Angreifer des Tabellenführers. Unterstützung erhielt der Schwede von seiner Abwehr, die im Laufe der Partie für den Gegner immer undurchdringlicher wurde. „Der Kampf und der Wille waren heute entscheidend“, sagte Andersson. Die Flensburger waren bereit, über die Schmerzgrenze hinaus zu gehen, um das Spitzenspiel zu gewinnen – und wurden dafür belohnt.

Für Ljubomir Vranjes war es ein entsprechend schöner Abend. „Ich bin sehr stolz auf jeden einzelnen Spieler“, sagte der Trainer. Die SG-Akteure und ihr Coach trotzen auch dem Ausfall von Lasse Svan. Den Rechtsaußen hatte in der Nacht vor dem Spitzenspiel im Hotel eine Magen-Darm-Grippe ereilt. Zimmerkollege Thomas Mogensen hatte noch in der Nacht das Zimmer gewechselt, um sich nicht anzustecken. Auf dem Feld sprang Bogdan Radivojevic für den Dänen in die Bresche.

„Wir haben einen richtig breiten Kader, das ist sehr wichtig“, sagte Lauge. In der Endphase der Saison könnte diese Tatsache zum großen Vorteil der Flensburger werden. Die beiden Konkurrenten Kiel und die Löwen verfügen nicht über diese Auswahl. „Bald kommt auch Kentin Mahé zurück, dann haben wir noch mehr Möglichkeiten“, freut sich Lauge darauf, bald einen Rückraumspieler mehr im Kader zu wissen. Die Konsequenz, dass er dann vielleicht weniger Spielzeit erhält, stört den Dänen keineswegs.

Gestern Morgen reisten die Flensburger direkt von Mannheim nach Slowenien weiter, um am Sonnabend (19.30 Uhr, live bei Sky) in der Champions League beim RK Celje die gute Ausgangslage im Kampf um den Gruppensieg zu verteidigen. Schließlich besteht die Chance, als Gruppensieger direkt ins Viertelfinale einzuziehen. „Wir sind noch in drei Wettbewerben voll dabei“, sagte Lauge. Seine Augen versprühten in diesem Moment viel Feuer. Dem Matchwinner des Spitzenspiels fällt beim Blick auf die nächsten Aufgaben nur eine Beschreibung ein: „Die nächsten Wochen sind eine Giga-Motivation.“