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Freie Bahn den Emotionen

(sh:z; Jan Wrege) Zwischen Jubel und Wehmut bewegte sich die SG Flensburg-Handewitt am vorletzten Spieltag der Handball-Bundesliga,   gleichzeitig der Saisonausklang in der Flens-Arena. Im letzten Heimspiel lieferte das Team von Trainer Ljubomir Vranjes sachliche Arbeit ab und besiegte den Abstiegskandidaten HBW Balingen-Weilstetten mit 30:22 (16:10). Schon vorher hatte es Anlass zur Freude gegeben, als die vorzeitige Vertragsverlängerung von Thomas Mogensen verkündet wurde. Der wichtigste Feldspieler der SG unterschrieb gestern einen Vertrag bis 2018. Nach dem Spiel hieß es: Freie Bahn den Emotionen, als fünf Akteure verabschiedet wurden.

Besonders, als  Michael Knudsen - seine drei Kinder an der Hand - an der Reihe war, floss die eine oder andere Träne. Neun Jahre hat der Kreisläufer für die SG die Knochen hingehalten und sich die größtmögliche Auszeichnung der Flensburger Handball-Familie verdient: "Michael ist jetzt eine SG-Legende", sagte Geschäftsführer Dierk Schmäschke und Beiratschef Boy Meesenburg stellte den 35-Jährigen in eine Reihe mit den Landsleuten Lars Christiansen und Sören Stryger. "Ein halbes Jahr habe ich auf diesen Tag gewartet, aber darauf kann man sich nicht vorbereiten. Ich habe heute geweint, dieser Abschied ist hart. Es waren neun unglaublich tolle Jahre", sagte Knudsen, der seine Karriere ab dem Sommer bei Bjerringbro-Silkeborg ausklingen lassen wird.

Dorthin folgt ihm Torhüter Sören Rasmussen, der nach vier Flensburger Jahren herzlichen Beifall empfing. Steffen Weinhold musste trotz seines Wechsels zum Erzrivalen THW Kiel keine Pfiffe befürchten. Die Fans erkannten die großen Leistung und den stets leidenschaftlichen Einsatz des Linkshänders an. Auch Goran Bogunovic und Olafur Gustafsson, die nicht ganz so bedeutende Rollen gespielt hatten, wurden warmherzig aus SG-Diensten entlassen. Das sportliche Geschehen geriet darüber etwas in den Hintergrund, obwohl das Resultat große Bedeutung hat. Immerhin holte die SG den für einen Tag an den HSV ausgeliehenen dritten Platz zurück, der so gut wie sicher die Teilnahme an der Champions League bedeutet. Das dritte  deutsche Ticket für die Königsklasse wird nicht per Qualifikation vergeben, sondern auf Antrag an die EHF, die  unter anderem die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und die Tauglichkeit der Spielstätte beleuchtet. Schmäschke hat aus Wien bereits signalisiert bekommen, das die SG dabei ist, wenn sie die Bundesliga aus Rang drei beschließt. Das wäre dann noch mit mindestens einem Punkte aus der letzten Partie bei Absteiger Eisenach abzusichern.

Balingen konnte gestern nur knapp zehn Minuten mithalten, danach setzten sich die Flensburger zügig auf 12:6 ab. Die Süddeutschen, die auswärts in der Abwehr deutlich friedfertiger ans Werk gehen als zu Hause, hatten nicht die Mittel, den Tabellendritten in Verlegenheit zu bringen. Immerhin verhinderte der starke Keeper Katsigiannis ein größeres Debakel. Schon mit Blick auf das in zwei Wochen bevorstehende Final4 in der Champions League schonte Vranjes die Ressourcen und wechselte viel durch, ohne dass der Flensburger Spielfluss verloren ging.