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Füchse Berlin

Die vergangene Saison beendeten die Füchse Berlin auf dem dritten Rang der DKB Handball-Bundesliga. Zeitweise schien selbst die Meisterschaft möglich zu ein. Dementsprechend waren die Erwartungen im Sommer hoch, doch jetzt ist sogar die erneute Teilnahme am EHF-Cup gefährdet.

Mattias Zachrisson.

Die Ballwerfer aus der Bundeshauptstadt versuchten alles, blieben lange auf Tuchfühlung, letztendlich standen sie aber gegen einen übermächtigen Gastgeber THW Kiel auf verlorenem Posten. 22:26 hieß es am Ende der EHF-Cup-Finals. Dem Gast von der Spree blieb nur die Resignation. „Da kämpft man die ganze Saison, um in dieses Finale zu gelangen, doch dann fehlte einfach die Kraft“, sagte Füchse-Coach Velimir Petkovic. Er registrierte in diesem Augenblick, dass sein Verein erstmals seit der Saison 2012/13 ohne Titel bleiben würde. Sonst hatte es jährlich für einen Coup gereicht – entweder im DHB-Pokal, im EHF-Cup oder beim IHF Super Globe in Katar.

Entsprechend groß waren die Vorschusslorbeeren im letzten Sommer. „Wir wollen in der Bundesliga nach oben angreifen und nach unten verteidigen“, formulierte Füchse-Manager Bob Hanning als Saisonziel. Einige in Berlin träumten gar von der Meisterschaft. Mit einem Kader von 16 Spielern gingen die Füchse an den Start – und einer Unterdeckung von etwa 500.000 Euro, die durch Rücklagen abgesichert sei, wie Bob Hanning erklärte. Niederlagen in Berlin und gegen die SG Flensburg-Handewitt dämpften die Erwartungen früh.

Paul Drux.

Im Oktober reisten die Füchse zum IHF Super Globe in Katar. Neben einem Preisgeld von 160.000 Euro und einem zweiten Platz brachten sie vier schwer angeschlagene Akteure zurück nach Deutschland. Das Verletzungspech grassierte, zeitweise fehlten zehn Spieler. Inzwischen sind fast alle wieder im Einsatz, doch die Leistungskurve stabilisierte sich nicht. „Mini-Krise“, „dreckiger Sieg“, „nicht konstant genug“ – die Stimmung sackte in den Keller. Es droht ein Abrutschen in Richtung Niemandsland der Liga. Erstmals seit der Serie 2010/11 könnten die Füchse die europäische Bühne verfehlen.

Angesichts der unbefriedigenden Situation scheint im Fuchsbau ein größerer Umbau bevorzustehen. „Im Moment sind wir in einem Modus, dass wir nur in besonderen Situationen besondere Leistungen abrufen wollen“, sagte Füchse-Manager Bob Hanning. „Aber so funktioniert ein Spitzenteam nach meinen Vorstellungen nicht.“ Wael Jallouz wurde bereits in der WM-Pause abgeben. Nach dieser Saison werden Bjarki Már Elísson, Malte Semisch, Erik Schmidt und Christoph Reißky den Klub verlassen. Als Neuzugänge wurden bereits Schlussmann Martin Ziemer und Linkshänder Michael Müller vorgestellt.

Velimir Petkovic.

Auch die Tage von Nationalkeeper Silvio Heinevetter scheinen gezählt. Sein Wechsel nach Melsungen hat ab 2020 bereits einen vertragsreifen Vollzug. Nach einem öffentlichen Streit mit Bob Hanning scheint ein vorzeitiger Abgang nicht abwegig zu sein. Immerhin läuft die Suche nach einem Nachfolger schon auf Hochtouren. „Mir sind mittlerweile rund 50 Torhüter angeboten worden, darunter auch wirkliche internationale Klasse“, teilte Bob Hanning mit.

Trotz der enttäuschenden Situation verfügen die Füchse über sehr starke Spieler. Rechtsaußen Hans Lindberg etwa zählt zu den besten Schützen der DKB Handball-Bundesliga. Der Schwede Mattias Zachrisson ist die Allzweckwaffe, die zwischen Außenbahn und Rückraumzentrum variiert. Der Halblinke Jacob Holm sollte eigentlich erst in diesem Sommer kommen, machte aber schon jetzt einen Satz nach vorne. Nicht zu vergessen Fabian Wiede und Paul Drux, die zu den Rückraumassen der deutschen Nationalmannschaft zählen.