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RK Gorenje Velenje

Wenn man vom slowenischen Vereinshandball spricht, denken die meisten sofort an den RK Celje. Der RK Gorenje Velenje ist dagegen vielen nicht so geläufig. Aber der Klub war schon zwei Mal in Flensburg. Einmal im Winter 1997 aus Anlass einer Partie im EHF-Cup. Lange ist es her: Die SG Flensburg-Handewitt spielte damals noch in der Fördehalle und befand sich in den letzten Monaten einer Titellosigkeit, die im April 1997 mit dem Triumph im EHF-Cup beendet wurde. Im August 2005 wurden die Slowenen in der heutigen „Hölle Nord" vorstellig und belegten beim Jacob Cement Cup den zweiten Platz hinter der SG, aber vor dem FC Kopenhagen.

Die „Juwelen" im Kader waren damals der Serbe Momir Ilic und der Kroate Vedran Zrnic, die ein knappes Jahr später zum VfL Gummersbach wechselten und ihre bis heute andauernde Bundesliga-Karriere starteten. Auch der slowenische Spielmacher Luka Dobelsek gehörte zu den Leistungsträgern, absolvierte zwischen 2008 und 2010 einige Zweitliga-Spiele für Lübbecke und Emsdetten. Nach einem zweijährigen Intermezzo bei Wisla Plock kehrte der 30-Jährige im letzten Sommer nach Velenje zurück.

Marko Bejzak

Überhaupt war Velenje schon häufig ein Trittbett für eine internationale Top-Laufbahn. Momir Ilic und Vedran Zrnic sind nur zwei unter vielen Beispielen. Der Weißrusse Siarhei Rutenka (Barcelona), der Ex-Kieler Vid Kavticnik (Montpellier), Drago Vukovic (Lübbecke), Adnan Harmandic (Wetzlar) oder Ivan Cupic (einst Rhein-Neckar Löwen, jetzt Kielce) spielten einst im beschaulichen Velenje, wagten dann aber später den Sprung in die stärkste Liga der Welt oder zu einem anderen internationalen Top-Klub.

Durch die vielen „Handball-Exporte" haben sich die „Wespen" – so heißen die Ballwerfer im Volksmund aufgrund ihrer gelb-schwarzen Trikots – eine gewisse Bekanntheit im internationalen Business erarbeitet. Die andere „Berühmtheit" der Kleinstadt Velenje (34000 Einwohner) basiert auf Kühlschränken. In der slowenischen Steiermark, 60 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt Ljubljana, hat der europaweit agierende Küchengeräte-Hersteller „Gorenje" seinen Hauptsitz. Der Umsatz 2010: fast 1,4 Milliarden Euro. Der Konzern fungiert als Haupt-Sponsor und Namenspatron des sportlichen Stolzes der Region: Der RK Gorenje Velenje wurde 2009 und 2012 slowenischer Meister, 2003 slowenischer Pokalsieger. Eine dritte Meisterschaft kündigt sich für diese Serie an. Zu Beginn der Meisterrunde kann Velenje auf drei Zähler Vorsprung gegenüber dem Lokalrivalen RK Celje bauen.

Jure Dolenec

In der Vergangenheit mussten die „Wespen" immer wieder Leistungsträger abgeben und hat sich deshalb international den Ruf einer Fahrstuhlmannschaft erworben. Mal reicht es für die Champions League, mal „nur" für einen der anderen Europapokal-Wettbewerbe. Höhepunkt: die Finalspiele im EHF-Cup 2009, die allerdings an den VfL Gummersbach gingen. In den letzten beiden Jahren war im Viertelfinale Schluss – jeweils gegen einen Bundesligisten. Das eine Mal hieß die zu hohe Hörde FA Göppingen, das andere Mal waren es die Rhein-Neckar Löwen. In der VELUX EHF Champions League ging es bei den vier bisherigen Teilnahmen nie über das Achtelfinale hinaus. „Der Sport besteht aus Höhen und Tiefen", lächelt Klubpräsident Uros Marolt. „Aber das macht ihn so attraktiv und interessant."

Im Februar beendete der RK Gorenje Velenje die Königsklassen-Gruppe C als Dritter hinter Vive Kielce und Metalurg Skopje. Gerade die heiße Atmosphäre in der Spielstätte „Redeca Dvorana" mit ihren bis zu 2500 Zuschauern macht es den Gegnern schwer. Vor der SG konnte sich in den letzten Monaten nur Kielce in der Festung behaupten. Der Fan-Club „Saleski grascaki", der den „Wespen" quer durch Europa folgt, ist mit großer Euphorie dabei. Ebenso Mannschaft und Umfeld. „Es kommt nicht jeden Tag vor, dass wir ein Achtelfinale in der Champions League erleben", sagte Trainer Branko Tamse vor den Duellen mit dem „deutschen Riesen". Der Coach ist erst 34 Jahre alt, steht aber bereits seit 2010 in der Verantwortung.

Ivan Gajic

Jetzt stehen nur zwei Ausländer im Kader: der flinke montenegrinische Rechtsaußen Fahrudin Melic und Torwart Ivan Gajic, der 2006 für einige Wochen in Göppingen aushalf. Gleiche eine Hand voll Spieler war im Januar bei der Weltmeisterschaft dabei und erlebte, wie die slowenische Auswahl bis ins Halbfinale vordrang und sich letztendlich in der Partie um Platz drei den Kroaten mit 26:31 beugen musste. Gefährlichster Schütze ist Linkshänder Jure Dolenec, als Kopf der Mannschaft fungiert Spielmacher Marko Bezjak. Am Kreis entfaltet Matej Gaber eine große Gefahr, der bullige Hüne kann auch über den Rückraum zu Toren kommen. Zweite Kraft am Kreis ist Peter Pucelj, der auch in der Defensive wichtige Aufgaben übernimmt. Last but not least: der Altmeister Luka Dobelsek, der als Backup in der Rückraum-Schaltzentrale fungiert.

Wie im Hinspiel deutlich wurde, hat gerade die erste Sieben der „Wespen" eine hohe Qualität. Die Titelverteidigung in der slowenischen Meisterschaft ist sehr gut vorstellbar. Aber was danach kommt, befindet sich noch im Schleier der Ungewissheit. Gleich fünf empfindliche Abgänge müssen ab Sommer kompensiert werden. Marko Bezjak wechselt in die Bundesliga zum SC Magdeburg, Matej Gaber und Jure Dolenec schließen sich dem französischen Champion Montpellier an, während Fahrudin Melic bereits beim neuen Top-Klub Paris HB angeheuert hat. Der derzeit verletzte Kreisläufer Dino Bajram, der 2004 mit Celje gegen die SG die Champions League gewann, wird sein Glück bei Pfadi Winterthur in der Schweiz versuchen. Kurzum: Die aktuelle Besetzung hat in der Flens-Arena ihren letzten internationalen Auftritt – falls ihr nach dem 25:28 im Hinspiel nicht doch noch die Wende gelingt.