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Das war Millimeter-Arbeit

(Flensborg Avis; Volker Metzger) "Wenn wir nicht gut spielen, dann fliegen wir raus", hatte Trainer Ljubomir Vranjes prophezeit und der Schwede sollte Recht behalten.

Im Achtelfinal-Rückspiel der Champions-League spielte die SG Flensburg-Handewitt in der Tat nicht besonders gut und schrammte beim mühsamen 27:25-Erfolg gegen RK Gorenje Velenje lange Zeit sogar am K.o. vorbei. Erst wenige Minuten vor dem Abpfiff, als der Däne Michael V. Knudsen das 26:25 erzielte, war schließlich das große Bangen vorbei und das Ziel erreicht. Nach dem 28:25-Erfolg im Hinspiel gelang somit auch in der heimischen Flens-Arena ein Sieg über den slowenischen Meister, wenn auch nur äußerst mühsam.

Nun blickt die SG-Gemeinde am Dienstag gebannt nach Wien, wo gegen die Mittagszeit das Viertefinale ausgelost wird. "Wir haben heute nicht unser Niveau erreicht, haben aber die Runde der besten acht Mannschaften erreicht. Darauf können wir stolz sein", fasste SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke die wesentlichen Ereignisse zusammen.

Warum der zweifache Champions-Legaue-Finalist allerdings so extrem großen Mühe hatte um den quirligen Gegner aus dem Rennen zu werfen, erklärte Vranjes dann im Nachhinein so: "Velenje war der erwartet starke Gegner und zum anderen waren meine Spieler sichtlich müde und dann passieren eben leichte Fehler. Immerhin haben wir am Mittwoch gegen die Löwen gespielt und das hat sehr viel Kraft gekostet. Wir spielen nun alle drei Tage und können nicht immer das höchste Niveau erreichen. Aber meine Mannschaft hat toll gekämpft und damit bin ich sehr zufrieden."

Der Schwede bedankte sich dann auch noch artig bei den SG-Fans, forderte die Zuschauer zugleich auf, "beim nächsten Mal, wenn wir uns in so einer schwierigen Situation befinden, uns doch bitte früher anfangen zu unterstützen, anstatt erst ab der 50. Minute."

Eine, wahrscheinlich sogar die spielentscheidende Szene ereignete sich in der 50. Minute beim Spielstand von 23:23. Klemen Cehte, bis dato neben Spielmacher Marko Bezjak, Linkshand Jure Dolenec und Torhüter Ivan Gajic die herausragende Figur im Velenje-Spiel, ließ sich zu einem Faustschlag gegen den Flensburger Jacob Heinl hinreißen und sah für diese rüde Attacke zu Recht die rote Karte.

Auch wenn nur darüber spekuliert werden kann, ob sich die Schlussphase aus Velenje-Sicht mit dem achtfachen Torschützen noch besser dargestellt hätte, bleibt festzuhalten - der Torjäger hatte seinem Team die Aussichten auf den Sieg geraubt. Und die Chancen, den Heimnimbus der Flensburger zu beenden und selber ins Viertelfinale einzuziehen, waren enorm groß.

Die SG hatte schlichtweg einen gebrauchten Tag erwischt, erreichte in der Abwehr samt Torhüter Mattias Andersson noch ordentliche Werte, blieb dafür im Angriff weit hinter Normalform zurück. Nur selten agierten die Gastgeber richtig schwung- und druckvoll, erlaubten sich eine große Anzahl an technischen Fehlern und schwächelten zudem im Abschluss. Die pure Entschlossenheit eines Holger Glandorfs war es schließlich zu verdanken, dass aus einem zeitweise bedrohlichen Rückstand kein schmerzhafter K.o.-Schlag wurde.

"Wir sind einfach nur froh diesen unangenehmen Gegner geschlagen zu haben. Das hat viel Kraft gekostet. Egal, auf wen wir nun im Viertelfinale treffen, wir wollen ins Final-Four nach Köln und müssen dafür jeden Gegner bezwingen", pustete Florian von Gruchalla tief durch. Der Rechtsaußen hatte von seinem Trainer 40 Minuten lang den Vorzug vor Lasse Svan Hansen erhalten und durfte im Großen und Ganzen recht zufrieden mit seiner Leistung sein. "Ljubo gibt mir Vertrauen und das hilft mir natürlich zu zeigen, dass ich mithalten kann", so von Gruchalla, dessen Vertrag zum Saisonende ausläuft. Die Suche nach einem neuen Verein ist dabei noch nicht beendet. "Entschieden ist noch gar nichts. Ich möchte am liebsten in der 1. Bundesliga bleiben oder zu einem ambitionierten Zweitligisten wechseln", so der wieselflinke Außen. Abzuwarten bleibt, ob ihm sein Trainer nun auch in den anstehenden Bundesliga-Spielen in Lemgo und Berlin die Chance gibt, um weiter auch "Werbung in eigener Sache zu machen."