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HSV Hamburg

Die besten Teams Europas tummeln sich in der VELUX EHF Champions League. Und die allerbesten nehmen mehrere Jahre in Folge an der Königsklasse teil. Eines von diesen ist der HSV Hamburg. Seit 2007 greifen die Hanseaten regelmäßig nach den funkelnden Handball-Sternen Europas. Drei  Mal stießen sie bis ins Halbfinale vor, erlebten so 2011 auch das besondere Flair des VELUX EHF FINAL 4 in Köln. „Es ist eine Ehre für uns, zu den Klubs der Champions League zu gehören und eine große Chance für die jungen Spieler, sich weiterzuentwickeln", erklärt HSV-Coach Martin Schwalb.

Allerdings mussten die Elbe-Handballer diesmal ein Nadelöhr am Mittelmeer meistern, um wieder zu den 24 auserwählten Klubs zu gehören: das Wild-Card-Turnier in St. Raphael. War schon das Halbfinale gegen Wisla Plock (28:26) eine enge Kiste, entpuppte sich das Endspiel gegen den Gastgeber als wahrer Krimi. Es ging in die Verlängerung, am Ende stand ein 32:31 für den Bundesligisten zu Buche. „Das Spiel war eigentlich nicht unser Niveau, das Mindestziel haben wir aber erreicht", befand sich nicht nur die Gemütslage von HSV-Spielmacher Michael Kraus auf Berg- und Talfahrt.

Oberste Weltklasse: Domagoj Duvnjak.

Inzwischen sind die Hamburger vom Nachrücker zum Spitzen-Quartett mutiert. Überhaupt nur vier Klubs sind in der Königsklasse ungeschlagen geblieben, die HSV-Farben führen die Gruppe A an. Bei nur einem Unentschieden gegen Medvedi Chekhovskie sind die Hanseaten der heiße Anwärter auf den Gruppensieg. Soweit denken sie aber noch nicht. „Wir haben nun zuerst das schwere Auswärtsspiel in Flensburg vor uns", meint Torwart Dan Beutler. „Um dort zu bestehen, müssen wir uns steigern."

Nicht so rosig sieht es derzeit in der DKB Handball-Bundesliga aus. Anfang November vernahm man sogar einen lauten Katzenjammer aus Hamburg. Das 23:30 gegen die Rhein-Neckar Löwen war ein sportlicher Offenbarungseid. Weit entfernt vom Meister-Flair des Jahres 2011 ist der HSV bereits mit acht Minuspunkten belastet. „Wir hätten noch 20 Stunden spielen können, und es hätte sich nichts geändert", sagte das frustrierte Rückraum-Ass Pascal Hens. „Bei uns wusste der eine nicht, was der andere machte."

Hüne am Kreis: Igor Vori.

Zur Entschuldigung: Zahlreiche Verletzungen schlugen immer wieder durch, das Mannschaftsgefüge wurde mehrmals kräftig durcheinander geschüttelt. Zwei „Altlasten“ hatte der HSV mit in die neue Saison geschleppt: Der schwedische Linkshänder Oscar Carlen und Torhüter Johannes Bitter feilen nach Kreuzband-Verletzungen an ihren Comebacks. Zudem gab es neue Sorgen. Linksaußen Torsten Jansen hatte Probleme mit der Patellasehne im linken Knie und musste operiert werden. Er wird die komplette Hinrunde ausfallen. Der HSV hat schnell reagiert und den 28-jährigen Fredrik Petersen aus der Konkursmasse von AG Kopenhagen verpflichtet.

Dazu belasteten immer wieder kleinere Hiobsbotschaften die Zusammensetzung des Rückraums. Egal ob Pascal Hens, Blazenko Lackovic, Michael Kraus oder Marcin Lijewski – irgendeiner aus diesem Quartett musste eigentlich immer pausieren. Die einzige Konstante in der zweiten Reihe war Domagoj Duvnjak. Der junge Kroate verdiente sich deshalb auch ein Extra-Lob seines Trainers. „Was er für ein Pensum abspult, ohne zu mucken und zu zucken, ist oberste Weltklasse“, meinte Martin Schwalb zuletzt. „Er steht immer 55 Minuten auf der Platte – und das im Drei-Tages-Rhythmus.“

Ehemaliger SG-Außen: Stefan Schröder.

Die zahlreichen Blessuren und die Erfahrungen aus der letzten Serie haben die Erwartungen in Hamburg zurückgeschraubt. Von Titeln spricht niemand. „Wir wollen eine bessere Saison und vor allem ein etwas anderes Gesicht zeigen als zuletzt“, erklärt Dan Beutler. Die neue Zurückhaltung resultiert auch aus der gekürzten finanziellen Ausstattung. Der Etat wurde von neun auf 8,1 Millionen Euro reduziert. Der Grund für diesen Rückgang: Mäzen Andreas Rudolph hat seine Zuwendungen und seine Präsenz heruntergeschraubt, mit 74,9 Prozent der Anteile bleibt er aber Hauptgesellschafter. „Seine Liebe zum HSV besteht weiterhin“, sagt Bruder Matthias Rudolph. Dieser ist seit Sommer der neue Präsident, um seinen Vorgänger Martin Schwalb zu entlasten.

Eine historische Zäsur gab es im Kader. Die französischen Brüder Bertrand und Guillaume Gille, die bereits in den Anfängen des HSV vor zehn Jahren dabei waren, sind in ihre Heimat Chambery zurückgekehrt. Neu im Kader stehen weitgehend junge Akteure: Kreisläufer Andreas Nilsson hat zwar Olympia-Silber gewonnen, gehört mit seinen 21 Lenzen aber noch in die Kategorie „Talent“. Die beiden 18-jährigen Max-Henri Herrmann und Stefan Terzic sollen langsam an das Bundesliga-Niveau herangeführt werden. In der Bundesliga bestens bekannt ist hingegen Enid Tahirovic. Der 40-jährige Routinier wurde als Unterstützung für die Torhüter verpflichtet. „Ich wollte zum Abschluss meiner Karriere noch einmal an der Champions League teilnehmen“, erzählt der Bosnier. Die Sterne der Königsklasse funkeln derzeit prächtig über dem nächtlichen Hamburg.