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Ärger über einen verlorenen Punkt

(sh:z; Hans-Werner Klünner) Es war spannend, es war dramatisch, und das 25:25 am Ende war alles in allem gerecht - eigentlich hätten alle nach dem Nordderby der Handball-Bundesliga zwischen dem HSV Hamburg und der SG Flensburg-Handewitt zufrieden sein können. War aber keiner. "Wir haben in Hamburg einen Punkt gewonnen, im Vergleich zu den letzten Jahren war das ein gutes Ergebnis. Aber wir hätten mehr aus diesem Spiel herauskriegen können, deshalb bin ich enttäuscht", bekannte SG-Trainer Ljubomir Vranjes. "Zum Schluss hatten wir die Chance, zu gewinnen, aber wir müssen und können mit dem Unentschieden leben", sagte HSV-Trainer Martin Schwalb mit zerknirschter Miene.

Auch noch eine Stunde nach Spielschluss marterte das Remis den Flensburger Trainer. "Morgen bin ich vielleicht zufrieden, aber im Augenblick ärgere ich mich", sagte Vranjes, dem einige Szenen aus dem Spiel immer noch zu schaffen machten. Da war die Ungeduld von Lars Kaufmann  in Überzahl, als die Flensburger bei einer Zeitstrafe gegen Matthias Flohr die Möglichkeit hatten, aus einem 15:17-Rückstand mehr als den 17:17-Ausgleich zu machen. Da waren die zwei Fehlversuche von Jacob Heinl gegen den eingewechselten Enid Tahirovic, die der SG eine 23:21-Führung beschert hätten. Und da war der verworfene Siebenmeter von Anders Eggert (der zweite an diesem Abend), der den Vizemeister in der 56. Minute mit 24:23 in die Vorhand gebracht hätte. "Es waren ein paar Kleinigkeiten, die nicht gestimmt haben", sinnierte Vranjes.

"Wir haben im Angriff einige zu schnelle Entscheidungen getroffen und in der Abwehr dumme Gegentore bekommen, obwohl wir das im Vorwege alles genau besprochen hatten." Von einem gewonnen Punkt in Unterzahl in den letzten 87 Sekunden wollte Vranjes deshalb nichts wissen. "Wir haben einen Schritt nach vorn gemacht, aber eben nicht den letzten Schritt."

Auch für die SG-Spieler war das 25:25 ein verlorener Punkt. "Ein paar technische Fehler zu viel, ein, zwei Fehlversuche zu viel und zum Schluss ein, zwei Zeitstrafen zu viel", resümierte Steffen Weinhold. Der Nationalspieler hatte mit einem Sieg in der Hansestadt geliebäugelt, "weil ich glaubte, dass wir gegen den HSV nach dessen anstrengendem Programm in den letzten fünf Tagen hinten raus mehr Körner haben würden." Stattdessen konnten die Gäste am Ende froh sein, dass die Schiedsrichter Fleisch/Rieber den Hamburgern den vermeintlichen Siegtreffer von Blazenko Lackovic zum 26:25 15 Sekunden vor Schluss wegen Stürmerfouls nicht anerkannten. "Immerhin haben wir in Unterzahl in den letzten eineinhalb Minuten noch einen Punkt geholt", meinte der starke SG-Rechtsaußen Lasse Svan Hansen. "Aber unsere individuellen Fehler, die haben uns am Ende den Sieg gekostet."

Fast das gesamte Spiel in Führung, am Ende aber doch nur einen Punkt in der Hand - auch die Hamburger haderten mit sich. Martin Schwalb dachte an die zwei vergebenen Gegenstöße von Vori und Duvjnak kurz nach der Pause, die den HSV mit 16:13 in Front gebracht hätten. Oder an das Gegentor von Arnor Atlason zum 22:20 für die SG, als die Hamburger eine 6:4-Überzahl hatten, diesen Vorteil aber nicht entscheidend nutzen konnten. "Die Mannschaft hat gekämpft, doch in einigen Situationen hätte ich mir etwas mehr Durchsetzungsvermögen gewünscht", merkte der HSV-Coach an. "Es war ein spannendes Spiel für die Zuschauer, aber für uns war es ein unbefriedigendes Ergebnis. Wir wollten unbedingt gewinnen", sagte Matti Flohr, der sich besonders über das Überzahlspiel seines HSV ärgerte: "Das hätten wir besser spielen müssen." HSV-Präsident Matthias Rudolph ließ seine Enttäuschung über das Remis dagegen an den Unparteiischen aus. "In der zweiten Halbzeit haben sie gefühlt jede Entscheidung gegen uns getroffen." Mit dieser Meinung stand er aber ziemlich allein da.

Das erste Duell Hamburg - Flensburg war insgesamt gerecht Unentschieden ausgegangen. Mindestens drei weitere werden im Laufe der Saison noch folgen. Die SG und der HSV spielen in der Gruppe A der Champions League. SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke freut sich schon drauf. "Wenn diese beiden Mannschaften aufeinander treffen, sind immer spannende Spiele zu erwarten. Am 25. November steht das zweite Duell an - an der Flensburger Förde, in der Königsklasse.