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HC Motor Zaporozhye

Keine Frage: Zaporozhye, die 775000-Einwohner-Stadt im Osten der Ukraine, ist die Handball-Metropole des Landes. Gleich zwei Teams buhlen in der ukrainischen Superliga um die höchsten Meriten. Dem Platzhirschen ZTR Zaporozhe, seit 1993 immerhin 14 Mal Landesmeister, setzt der HC Motor-ZNTU-ZAS – so die vollständige Bezeichnung – kräftig zu. „Wir haben keine Streitigkeiten, aber zwei Klubs in einer Stadt – das ist immer schwierig und erzeugt eine Menge Gerüchte", sagt Dmitry Karpuschenko, Manager des Newcomers. Derzeit wird gemunkelt, dass ZTR-Rückraum-Shooter Sergii Burka demnächst sein dunkelblaues Dress gegen das weinrot-blaue Motor-Outfit tauschen könnte. Er würde den gleichen Weg gehen wie in den letzten 18 Monaten Kreisläufer Pavlo Gurkovsky, die Halblinken Sergii Liubchenko und Vladislav Ostroushko sowie Linkshänder Alexander Semikov. Die Gegenrichtung schlug Rechtsaußen Oleg Ragozin ein, der nun für ZTR spielt.

Im Spätherbst erlebte die Lokalrivalität ihren Höhepunkt. Beide Klubs standen sich im Sportpalast „Yunost" binnen weniger Tage zwei Mal gegenüber. Es waren keine Ligaspiele, es war – so wollte es das Los – eine innerstädtische Auseinandersetzung im Europacup der Pokalsieger. Die erste Partie endete mit einem 25:25-Unentschieden. Auch der zweite Vergleich endete vor 3200 Zuschauern mit einem Remis. 31:31! Das reichte dem HC Motor, da er in der zweiten Begegnung das „Auswärtsteam" war und deshalb mehr „Auswärtstore" erzielt hatte. „Wir hoffen, dass eine neue Zeit eingeläutet wird", sagte Dmitry Karpuschenko vieldeutig. In der ukrainischen Liga rangiert der Emporkömmling derzeit vor ZTR. Aber dennoch nur an zweiter Stelle: Dinamo Poltava könnte zum Überraschungsteam avancieren.

Der HC Motor-ZNTU-ZAS ist ein junges Gewächs, existiert in dieser Konstellation erst seit 2009. Damals stieg der Flugzeug-Triebwerke-Hersteller „Motor Sich", der zu Beginn des Jahrtausends die Handball-Frauen der Stadt gefördert hatte, als Hauptsponsor ein und verdrängte die staatliche Universität der Stadt (ZNSU) und eine große Baufirma (ZAS) an die hinteren Stellen des Bandwurmnamens. Olimpiy Pokatov, Vorstandsmitglied von „Motor Sich", wurde Klubpräsident. In den letzten beiden Jahren sprang in der ukrainischen Superliga jeweils ein vierter Rang heraus.

Das war nicht genug. Im Frühjahr wurde ein Umbruch eingeleitet. Mehre Akteure gingen, während Vyacheslav Lochman, einst beim TV Großwallstadt unter Vertrag, seine Karriere beendete und dem Verein als Nachwuchs-Coach erhalten blieb. Die Mannschaft erhielt ein deutlich russisches Gepräge – nicht nur weil Nicolai Chigarev, kurzfristig russischer Nationaltrainer und viele Jahre für die Reserve von Medwedi Tschechow verantwortlich, als neuer Übungsleiter verpflichtet werden konnte. Mit ihm kamen Alexey Kamanin, der lange Zeit zu den Stützen des russischen Renommierklubs gehörte, und das große Spielmacher-Talent Inal Aflitulin. Torwart Nikolay Sorokin (Wolgograd), der hünenhafte Kreisläufer Evgeny Kalinichenko (2,06 Meter), der Halblinke Alexei Grigoriev (Astrachan) und Alexander Semikov sind ebenfalls wichtige russische Bausteine des ukrainischen Teams.

In der Halle werden die Fans die überdimensionale Vereinsfahne diesmal mit besonderer Begeisterung über die Tribüne wandern lassen. Nach zwei Teilnahmen am Challenge Cup – 2011 war im Achtelfinale gegen Benfica Lissabon Schluss – erwarten sie eine Feuertaufe für ihre Lieblinge. „Wir müssen sehr vorsichtig sein", warnt Vladislav Oustrousko, der in der letzten Serie mit Sankt Petersburg in der Schlussphase gegen die SG einbrach. Und Alexey Kamanin weiß: „In dieser Saison haben wir noch nicht gegen so einen starken Gegner gespielt."