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Flensburg sehnt sich nach dem Pott

(sh:z; Jan Wrege) Schleswig-Holsteins Handball-Fans fiebern einem großen Wochenende entgegen, wenn die beiden überragenden Mannschaften dieser Saison nach europäischen Trophäen greifen. Einen Tag, bevor der neue Meister THW Kiel in Köln ins Final Four der Champions League startet, steigt heute (18.45 Uhr/Eurosport) in der Flensburger Campushalle ein historisches Finale. Im Rückspiel gegen den VfL Gummersbach will sich die SG Flensburg-Handewitt den letztmalig ausgespielten Europapokal der Pokalsieger sichern. Die Chancen auf den zweiten Flensburger Triumph in diesem Wettwerb, der bereits im Jahr 2001 gegen Ademar Leon gewonnen wurde, stehen gut, nachdem der Bundesliga-Zweite im Hinspiel in Gummersbach am vergangenen Sonntag einen 34:33-Sieg vorgelegt hat.

Die vor neun Monaten auf entscheidenden Positionen neu formierten Flensburger spielen zur allgemeinen Überraschung eine herausragende Saison. Obwohl der sportliche Wert der bevorstehenden Vizemeisterschaft höher zu bewerten ist als ein Europacup-Triumph, dürstet die SG Flensburg-Handewitt geradezu nach dem Titel. "Klar sind wir stolz auf die Saison, aber keiner erinnert sich an einen zweiten Platz, den man ja nicht so richtig gewinnt. Dieser Pokal bedeutet so viel. Es ist die Superchance, mit Verein und Fans zu feiern", sagt Kreisläufer Michael Knudsen, dienstältester Akteur in Reihen der SG, der seit sieben Jahren auf einen greifbaren Erfolg wartet. Kurz bevor Knudsen im Sommer 2005 kam, hatte die SG mit dem DHB-Pokal zum letzten Mal den Trophäenschrank ergänzt.

Nach dem Hinspielsieg müssen sich die Flensburger im zweiten Finalspiel der Favoritenrolle stellen. "Wir haben den Druck, Gummersbach kann völlig befreit spielen", weiß Knudsen, dass das 34:33 vom Sonntag seine Tücken hat. "Wenn wir nur 90 Prozent geben, wird es gefährlich." Gummersbach hat sich seit dem Trainerwechsel von Sead Hasanefendic zu Emir Kurtagic auch zu einer starken Auswärtsmannschaft entwickelt, die unter anderen in Lemgo und Mannheim erfolgreich war. Dafür sorgten der wurfstarke Rückraum mit Adrian Pfahl, Barna Putics, Kentin Mahé und Christoph Schindler sowie die Qualität des Konterspiels. "Zweite Welle, schnelle Mitte, Gegenstoß - da ist Gummersbach stark. Wir müssen aufpassen und gut sein im Zurücklaufen", fordert SG-Trainer Ljubomir Vranjes.

Taktische Überraschungen fürchtet der Schwede nach intensivem Videostudium des Finalgegners nicht. "Wir wissen alles von denen. Egal, was sie machen, ob eine 4:2-Deckung oder eine schiefe 5:1, wir haben alles im Griff", sagt Vranjes. Nur eines kann die von den Flensburgern ausgerufene "Mission Europapokal" noch gefährden: "Wenn fünf oder sechs unserer Spieler einen sehr schlechten Tag haben. Aber das ist in den ganzen letzten Monaten nicht passiert - warum also jetzt? Wir sollten keine Angst haben, nur Riesenrespekt", beschreibt der SG-Coach die von ihm gewünschte Einstellung seiner Mannschaft, die in der bewährten Formation der vergangenen Wochen auflaufen wird.

Die Campushalle wird voraussichtlich ausverkauft sein, im Vorverkauf und an der Abendkasse sind nur noch wenige Restkarten zu haben. Von den Zuschauern erhofft sich Ljubomir Vranjes ähnliche Rückendeckung, wie sie die Gummersbacher vor fünf Tagen in der Eugen-Haas-Halle erfuhren. "Nach einer langen Saison sind alle erschöpft, haben kleinere Blessuren - da braucht man den Extra-Kick durchs Publikum", sagt der Trainer.