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SG-Fans feiern Holger Glandorf

(sh:z; Hans-Werner Klünner) Noch Minuten nach dem Schlusspfiff hallten "Holger-Glandorf-Rufe" durch die Campushalle. Mit stehenden Ovationen feierten die Anhänger der SG Flensburg-Handewitt den Neuzugang vom TBV Lemgo. Mit elf Toren hatte der Nationalspieler maßgeblich  zum 28:25 (14:13) in der Handball-Bundesliga gegen die MT Melsungen beigetragen. Holger Glandorf, dessen großes Potenzial in den beiden vergangenen Jahren in Lemgo verkümmert zu sein schien, ist in der Tat schnell in Flensburg angekommen. Der  Linkshänder harmoniert glänzend mit Spielmacher Thomas Mogensen und scheint an starke Zeiten wie bei der HSG Nordhorn anzuknüpfen. "Elf Tore von Holger, das war nicht schlecht", meinte SG-Trainer Ljubomir Vranjes mit einem verschmitzten Lächeln. Wesentlich euphorischer fiel da schon das Kompliment von SG-Geschäftsführer Holger Kaiser aus: "Das Spiel hatte viele positive Botschaften. Eine davon war, dass Holger Glandorf gefühlt schon fünf Jahre für die SG spielt.*
Doch auch ein anderer SG-Akteur hatte sich an diesem Abend großes Lob verdient: Torhüter Sören Rasmussen. Als Vranjes nach 34 Minuten beim 16:16 den Dänen für Mattias Andersson zwischen die Pfosten beorderte, waren viele der 5523 Zuschauer in der Campushalle etwas verwundert. Schließlich hatte Andersson bis dahin neun Würfe abgewehrt und damit seinen Beitrag geleistet, dass die Flensburger gegen einen bärenstark aufspielenden Gegner zu diesem Zeitpunkt nicht in Rückstand lagen. Auch Sören Rasmussen wurde vom Torwartwechsel überrascht. "Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht damit gerechnet", gab er zu. "Mattias hatte bis dahin doch gut gehalten." Für Ljubomir Vranjes aber nicht gut genug. "Einige Bälle mehr hätte er halten müssen",  erklärte der SG-Coach, ließ aber offen, ob er damit Würfe aus dem Melsunger Rückraum oder von Rechtsaußen Savas Karipidis meinte.
Der Mut des Schweden zum Wechsel wurde belohnt. Neben Glandorf avancierte den dänische Nationaltorhüter zum großen Rückhalt der Gastgeber. Mit einem gehaltenen Siebenmeter gegen Karipidis beim 20:18 in der 42. Minute leitete Rasmussen die vorentscheidende Phase der Begegnung ein, in der sich die Flensburger bis zur 52. Minute auf 25:20 absetzten. Danach schmolz der Vorsprung nach einer Zeitstrafe gegen Tobias Karlsson zwar noch einmal auf 25:23 zusammen. Aber nach dem 27:23 durch Mogensen in der 59. Minute war die Partie entschieden.
Zufrieden war Ljubomir Vranjes aber nur mit dem Ergebnis und der Einstellung seiner Mannschaft. "Wir haben sehr gut gekämpft, aber wir haben zu technische Fehler gemacht und zu  viel seitwärts gespielt. Wir hatten nicht den Hunger, nach vorne zu gehen, wo man sich die Nase brechen kann, um ein Tor zu machen", monierte der 37-Jährige. "Wir haben Melsungen immer wieder eingeladen, ins Spiel zurück zu kommen", meinte Mannschaftskapitän Tobias Karlsson selbstkritisch.
Schon vor der Pause hatte die SG 11:8 und 14:11 vorn gelegen, diesen Vorsprung aber leichtfertig verspielt und sich damit ein "Kampfspiel" (Vranjes) beschert. "Es war ein Arbeitssieg", meinte auch Holger Kaiser. "Dennoch hätte die Mannschaft, so wie sie spielt und wie sie kämpft, eine volle Halle verdient", ergänzte der andere SG-Geschäftsführer Dierk Schmäschke.
Der Ex-Flensburger Patrik Fahlgren hatte an alter Wirkungsstätte einen starken Auftritt. "Er hat das Melsunger Spiel klug geführt und war torgefährlich", lobte Vranjes seinen Landsmann. Das war für Fahlgren aber nur ein schwacher Trost. "Die SG-Abwehr hat es uns nach der Pause schwer gemacht", lautete seine Begründung für die knappe Niederlage. "Uns hat in der zweiten Halbzeit die Durchschlagskraft gefehlt", bestätigte Trainer Michael Roth. Einen überragenden "Vollstrecker" wie Holger Glandorf hatte Melsungen an diesem Abend eben nicht.