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Einen perfekten Spieltag erwischt

(Flensborg Avis; Volker Metzger) Der 2. Mai 2012 wird für die Handballer der SG Flensburg-Handewitt als "Jubeltag" in die Saison-Geschichte eingehen. Weniger der 37:27-Heimsieg gegen den TV Hüttenberg sorgte für große Freude. Vielmehr waren es die Ergebnisse aus Mannheim und Melsungen, die Freudentänze - zumindest auf der Tribüne der Campushalle - spontan auslösten.

Vier Spieltage vor dem Ende der Bundesliga-Saison besitzt die SG (49:11-Zähler) nun hinter Meister THW Kiel ein stattliches Polster auf die gestrauchelten Verfolger Füchse Berlin (46:14) und HSV Hamburg (45:15) und steht damit schon mit einem Bein in der Champions-League. "Uns interessiert nicht, was bei den Füchsen oder dem HSV passiert. Wir schauen nur auf uns, konzentrieren uns auf das nächste Spiel. Sollte es dann am Ende der Saison etwas zu feiern geben, werden wir es auch machen", fiel die Betrachtung der Ereignisse des 30. Spieltages nicht nur bei SG-Coach Ljubomir Vranjes recht nüchtern aus.

Auch Torhüter Mattias Andersson nahm die Schlappen der Verfolger zwar zur Kenntnis, betonte aber: "Wir spielen eine tolle Saison, können im Mai sehr viel erreichen. Doch noch haben wir nichts erreicht. Daher werden wir weiterhin nur von Spiel zu Spiel schauen und alles daran setzen, weiter gute Leistungen zu zeigen. Am Ende sehen wir dann, wofür es gereicht hat."

Vor rund 5000 Zuschauern fiel es den Hausherren lange Zeit sehr schwer um gegen den Aufsteiger aus Hüttenberg richtig auf Touren zu kommen. "Es war deutlich zu sehen, dass den Spieler nach den Strapazen der letzten Tage und Wochen die Müdigkeit in den Beinen steckte. In der Pause haben wir darüber gesprochen, dass wir mehr Einsatz und Willen brauchen und konnten uns dann ja auch Schritt für Schritt verbessern", zeigte Vranjes durchaus Verständnis für die durchwachsene Vorstellung gegen einen Gegner, der "völlig ausgeruht antreten konnte und uns das Leben mit einer guten 3:2:1-Abwehr sehr erschwert hat."

Der Versuch, mit Spieler aus der zweiten Reihe erfolgreich ins Match zu starten, ging sehr zum Bedauern von Vranjes schief. "Das ist schade, aber wir brauchen alle Spieler, um unsere Ziele erreichen zu können. Daran werden wir auch weiter arbeiten", erläuterte der Schwede, der dem Fehlstart nach rund einer Viertelstunde und einem 4:8-Rückstand per Auszeit ein Ende setzte. Für Søren Rasmussen trat Mattias Andersson zwischen die Pfosten, Viktor Szilágyi, Lars Kaufmann und Michael Knudsen besetzten nun für Thomas Mogensen und Petar Djordjic die Schaltstellen und langsam trat der erhoffte Besserung ein.
Beim 12:12 (28.) war das Duell wieder auf "Null" gedreht, die 14:12-Pausenführung im Anschluss kontinuierlich Tor um Tor bis zum standesgemäßen 37:27-Endstand ausgebaut.

Aus einer "müden, aber sehr intakten" SG-Mannschaft ragte neben Andersson vor allem die dänische Flügelzange Anders Eggert und Lasse Svan Hansen heraus, die rund die Hälfte aller Tore erzielte. "Wir haben 45 Minuten lang an unserem Limit gespielt, konnten das Niveau dann leider nicht mehr halten", fasste TVH-Coach Jan Gorr den Auftritt im hohen Norden zusammen, der sich über die Höhe der Niederlage ärgerte. "Zum Schluss haben wir uns ein gutes Ergebnis selbst verdorben."

Hatte schon während der laufenden Partie die Bekanntgabe der Niederlage der Füchse und des HSV spontane Freudengesänge ausgelöst, so schäumte die Freude wenige Augenblicke nach dem Abpfiff fast über. Holger Glandorf, der verletzte Rückraum-Shooter, humpelte sich an Krücken in den Kreis seiner Teamkollegen und ließ genoß Seite an Seite mit seinen Mitstreitern den langanhaltenden Applaus. "Jetzt fahren wir nach Hamburg zum Final Four und wollen sehen, was dort für uns geht", lautete der einhellige Tenor im Hause der SG, die ihrer Fangemeinde und sich selbst weitere Jubeltage wie den 2. Mai 2012 bescheren möchte.