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FA Göppingen

Es war eine sehr unglückliche Szene: Kurz vor Ende der letzten deutschen Europameisterschaft-Partie schubste der Kieler Dominik Klein den Polen Krzysztof Lijewski. Der stürzte in Michael Haaß hinein. Der Spielmacher von FA Göppingen fiel mit schmerzverzerrtem Gesicht auf den Boden. Die Diagnose: Bruch des rechten Sprunggelenks. Nationalmannschaftsarzt Dr. Berthold Hallmeier operierte erfolgreich, ein Ausfall von Michael Haaß in den nächsten drei bis vier Monaten ist aber unvermeidbar.

Für die Göppinger war dieser Zwischenfall ein Schock, der zu Aktivitäten auf dem Transfermarkt zwang. Auf der zentralen Rückraumposition stand Trainer Velimir Petkovic plötzlich nur noch Drasko Mrvaljevic zur Verfügung, da Tim Kneule nach einem Kreuzbandriss erst im Laufe des März wieder in den Spielbetrieb einsteigen dürfte. Daher reagierten die Schwaben kurzfristig und wurden in der spanischen Liga fündig. Der 28-jährige Bozidar Markicevic konnte den spanischen Erstligisten BM Antequera sofort verlassen, weil sein bisheriger Verein aufgrund von Etatlücken seine Ausgaben reduzieren musste. „Bozidar Markicevic ist ein international erfahrener Spieler, der uns in Angriff und Abwehr weiterhelfen kann“, glaubt Velimir Petkovic.

Die Verletzung von Michael Haaß passte ins Bild der letzten Monate, in denen bei den Süddeutschen vieles nicht so klappte, wie es geplant war. Der Jubel vom letzten Frühjahr, als Göppingen mit dem EHF-Cup den ersten Titel seit 1972 gewann und in der Bundesliga mit Rang fünf die beste Platzierung seit 1983 erreichte, wirkt schon fast nicht mehr real. Die Schwaben begaben sich sofort nach Saisonstart – auch bedingt durch eine Heimniederlage gegen die SG Flensburg-Handewitt – in die zweite Tabellenhälfte und nisteten sich über die EM-Pause auf einem für ihre Ansprüche mageren Mittelfeldplatz ein. Zu allem Überfluss kassierte Göppingen kurz vor Weihnachten beim Zweitliga-Spitzenreiter TV Neuhausen eine empfindliche 30:32-Pleite und verabschiedete sich aus dem DHB-Pokal.

Entsprechend nüchtern fielen die Halbzeit-Bilanzen an der Schwäbischen Alb aus. FA-Geschäftsführer Gerd Hofele vermisste die Konstanz in seinem Team. „Diese Schwankungen abzustellen, diese mentalen Blockaden zu lösen, das sind die großen Herausforderungen für die Rückrunde", sagte der 46-Jährige. „Oberflächlich betrachtet spielt der Abgang von Lars Kaufmann eine wichtige Rolle. Genauso der knifflige Spielplan zu Saisonbeginn, das Verletzungspech und die Formschwankungen von Führungsspielern."

Nichtsdestotrotz: Göppingen steht für Qualität und wird gerade zu Beginn der Rückserie hochmotiviert agieren, um im Klassement nach oben zu klettern. Zudem: Diese Saison muss noch nicht einmal ohne jeglichen Lorbeeren enden. Im EHF-Cup läuft die Mission „Titelverteidigung", in diesen Tagen geht es gegen den rumänischen Vertreter HC Odorheiu Secuiesc um den Einzug ins Viertelfinale. Und mit Blick über den Sommer hinaus gelang Frisch Auf bereits eine spektakuläre Verpflichtung. Der serbische Nationaltorwart Darko Stanic, bei der Europameisterschaft gerade ins All-Star-Team gewählt, wird die Nachfolge von Enid Tahirovic antreten, der in seine Heimat Sarajevo zurückkehrt.

Daten FA Göppingen